Talia | Tag der Republik

Eine Palladio-Villa (c) dege
Eine Palladio-Villa (c) dege

Innerhalb der italienischen Staatsgrenzen stehen an jedem 2. Juni die Arbeitsräder still. Umso mehr rauschen die Freizeiträder. Es wird der „Tag der Republik“ begangen.

Ein flüchtiger Blick auf die Netzausgabe von drei national gesinnten Zeitungen ist vielsagend. Im bürgerlichen, einst großnational begeisterten „Corriere della Sera“ aus Mailand ist die Republik in in den ersten zwanzig Schlagzeilen nur als Randnotiz präsent. Prominent hingegen der venezianische Statthalter Luca Zaia (Lega), der das zentralistische Geschaftle des nichtgewählten Ministerpräsidenten Draghi als mittelalterlich bezeichnet („Il centralismo è Medioevo“). Ach, dabei wissen es die Gebildeten, dass das antizentralistische Mittelalter die glorreiche Zeit Italiens war – dank seiner blühenden Stadtstaaten („repubbliche“), und nicht dieses immer gleich gebeutelte, garibaldinisch zusammengeklaubte, seiner Königswürde beraubte Stiefelitalien vom Brenner bis Lampedusa.

Daher auch der Druck auf die Nostalgie-Taste der römischen Tageszeitung „Libero“, passend zum Ableben von Prinz Amedeo aus dem Hause Savoyen: „Morto il Principe Amedeo Duca di Savoia, il re che non abbiamo avuto“ (Video). 1946 wurde mit einer Volksabstimmung die Monarchie abgeschafft. Prinz Amedeo wäre der nächste König geworden. „Als König“, so wird vom jüngst Verblichenen überliefert, „hätte ich nicht so viel Spaß gehabt“ („Se fossi diventato re, non mi sarei divertito tanto“). Na dann.

Wir kommen zu „Il Giornale“ – der einstmals stolzen Gründung des großen Zeitungsmannes Intro Montanelli – heute nicht einmal mehr ein Schatten davon. Anstatt andächtig den Tag der Republik zu begehen, macht man mit einer grobschlächtigen Ultranazi-Schlagzeile auf: „Il boia che massacrò gli italiani“ – Im Bild ein Schwarzweiß-Foto von Josip Broz, genannt Tito, der Schöpfer des mittlerweile zerfallenen Jugoslawiens.  Zwar ist die Aussage des Titels nicht falsch, aber der Moment und die Wortwahl zielen allein darauf, den schmutzigsten politischen Winkel der italienischen Seele zu bedienen: Revanche statt Republik. Derweil denkt der weise Vater der (2.) Republik, Presidente Mattarella, ans Aufhören.

Wir Alt-Südtiroler würden die Republik Italien gerne achten und mitfeiern – ja, mehr noch das Königreich Italien – wenn dieser Staat doch nur unterhalb der Klause von Bern (Verona) beginnen bzw. enden würde! Die Repubblica Serenissima und das Herzogtum Lombardien als Grenznachbarn wären uns viel lieber – die selben gerne auch im Verbund der „Vereinigten Staaten von Italien“. Das Rad der Zeit, es hebt nie still.

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Dr.phil. Georg Dekas

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