Apeiron* | Nach der Ordnung der Zeit

Sonnenuhr in Lana - Anaximander führte diese Technologie angeblich von Babylon ein
Sonnenuhr in Lana - Anaximander führte diese Technologie angeblich von Babylon ein

 

Der Ursprung der Dinge ist das Grenzenlose. Woraus sie entstehen, darein vergehen sie auch mit Notwendigkeit. Denn sie leisten einander Buße und Vergeltung für ihr Unrecht nach der Ordnung der Zeit.

(Nestle, Die Vorsokratiker in Auswahl, 1908)

Anaximander (um -600), eigentlich Anaximandros ist der erste uns bekannte einer ganzen Reihe von Wissenschaftern des alten Hellas. Später nannte man die Forscher und Mathematiker, die dem Ursprung der Welt und den großen Gesetzen des Seins auf der Spur waren, „Philosophen“ – was zu verschwommen und sogar irreführend ist, wenn man bedenkt, was heutzutage alles unter „Philosophen“ läuft.

Der Spruch des Anaximander jedenfalls, der hat es in sich. Man kann ihn lesen als eine Generalformel der theoretischen Physik im Entstehungsmoment dieser Wissenschaft. Man kann ihn aber auch als   moralisches Gesetz der ausgleichenden Gerechtigkeit lesen. In beiden  Fällen besticht der Spruch durch seine gewaltige Spannung von den Gegensätzen des Gleichen, vom Ineinandergreifen aller Dinge „nach der Ordnung der Zeit“ in einer unfehlbaren und unentrinnbaren „Notwendigkeit“, die sich unerklärlich vor einem grenzenlosen Urgrund entfaltet, in dem alles wieder hinein geht, so wie es daraus hervorgekommen ist.

Meine bevorzugte ist eine sehr verkürzte Fassung:

‚Alles leistet einander Vergeltung nach der Ordnung der Zeit‘

Wie oft kann, ja wie oft muss man die Geschicke von Menschen, Völkern und Epochen,  ihre freudigen und unglückseligen Wendungen in diesem Spruch des Anaximander zusammenfassen?

 

*Apeiron ist das Grenzenlose, aber auch das Unfassbare.

 

 

 

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Dr.phil. Georg Dekas

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