Pan | Demie der Kerzen

Kupferlicht (c) dege
Kupferlicht (c) dege

Nun müssen wir auch noch die publizistische Pandemie der Kerzen über uns ergehen lassen. Angefangen hat das bundesdeutsche Staatsoberhaupt, indem es einen Brauch der Vertriebenen zur Hand nahm, der nach dem Krieg aus dem tiefsten Schmerz des Volkes geboren ward. Lesen Sie dazu mit Gewinn  Alexander Wallasch, der von der Generation seiner Großmutter erzählt:

„Wer mochte, stellte ein bedruckte Kerze ins Fenster. „Wir denken an Dich“, stand in sorgfältiger Schrift geschrieben. Und der wehmütige Gruß ging an den unbekannten Deutschen in der Ostzone oder erinnerte an die Verschollenen, die Verlorenen, die Ermordeten und an jene, die ihre Identität aufgeben mussten, um auf dem alten Heimatboden in den Ostgebieten noch ein paar Jahre verbleiben zu können. Die Kerze leuchtete bei meiner Großmutter, aber immer auch für die verlorenen Gräber.“ 

Diesen Brauch entführte Bundespräsident F. W. Steinmeier in das Zwielicht des politischen Marketing mit der Idee, aller Corona-Toten zu gedenken, indem jeder eine Kerze ins Fenster stellt. Und weil die Geistlosen der Politik nichts lieber tun als abkupfern, landete die Kerze von Schloss Bellevue alsbald dort, wo Geister nichts lieber tun als abkupfern und Trittbrett fahren – in Südtirol.

Am 13. März rief der landesgeförderte Feministenclub unter bundesdeutschen Hashtags auf, Kerzen in die Fenster zu stellen, um den von Männern ermordeten Frauen zu gedenken. Wieviele Kerzen es am Ende wurden, darüber schweigt sich die Femen-Pressestelle nobel aus.

Und nun geht es dem 18. März zu. Denn ja, auch Italien will seiner Corona-Toten gedenken. Unser „Bundesmeier“ Kompatscher hat im Kielwasser von Frank Walter bereits verlauten lassen, dass Südtirol auch so etwas machen wolle. Der wegen des Lockdowns herunter gefahrene Südtiroler Landtag sieht damit nun endlich – und buchstäblich – auch ein Licht im Fenster. Wir lesen in der amtlichen Mitteilung:

„An der Fassade des Landtags hängen … zwei schwarze Trauerbanner, die im Vorfeld des 18. März, dem nationalen Gedenktag für die Opfer der Coronavirus-Epidemie, an die mehr als tausend Südtiroler Opfer erinnern …  Am offiziellen Tag des Gedenkens …. wird der Landtag am Abend mit Kerzen vor seinem Sitz das Andenken an die Opfer ehren. Alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, zum gleichen Zweck eine brennende Kerze auf ihre Fensterbank zu stellen.“

Ja, Fassade, das ist das erste prägende Wort für diese Aktion. Bezeichnend weiter, dass die Volksvertretung der Südtiroler ungeniert und geschichtsvergessen von einem „nationalen“ Gedenktag spricht, sich an Rom dranhängt, sich nationalitalienisch einordnet. Und Drittens: Opfer sind im Normalverständnis jene, die in Unglücken, Anschlägen, Kriegen und in den Naturgewalten unerwartet und schicksalhaft ihr Leben verlieren. Das Wort „Opfer“ im Covid-Zusammenhang zu gebrauchen, ist eindeutig der italienischen Kriegsrhetorik zuzuschreiben und nicht dem natürlichen Krankheitsverlauf dessen, was in dieser Stümper- und Trittbrett-Mitteilung aus provinziellen Übersetzer-Niederungen fälschlicherweise auch noch als „Epidemie“ bezeichnet wird.

Diese im wahrsten Sinn des Wortes zur Schau gestellte Kerzen-Aktion reiht sich ein in das, was man langsam als Pandemie der Publicity benennen muss. Dazu gehört auch die öffentliche Betrauerung von Covid-Toten der Hamburger „Die Zeit“. Lesen Sie dazu den messerscharfen Max Erdinger auf Jouwatch.

Nur am Rande: Wäre die Kerzen-Aktion in Bozen von Oppositionskräften lanciert worden, hätten die Herren Veranstalter wohl entrüstet gesagt, es sei erbärmlich, aus dem Schmerz von trauernden Hinterbliebenen politisches Kleingeld schlagen zu wollen. Aber im Bundespräsidenten-Habitus und im „nationalen“ Gewand  ist es wohl  etwas anderes.

 

Philosophische Fußnote

Wortgeschichtlich hat unsere „Corona-Pandemie“ einen Bezug zum närrischen Ziegengott Pan. Pan ist griechisch und heißt „All(es), Ganz“, „demos“ heißt Volk. Pan  ist aber auch der Name des hellenischen Hirtengottes – der panische mit der Pan-Flöte und den Bocksfüßen – ein Vorläufer des Teufels, ein geiler Rammler, ein Sinnbild von tierischen Ausschweifungen, die man ruhig als dreckig und stinkend bezeichnen darf. In der römischen Götterwelt wurde dieser Pan zu „Bacchus“: Der Gott des Rausches, der Enthemmung, Schutzpatron der antiken Swingerclubs und des Fasching. Pandemie könnte deshalb nicht nur als Wortträger für Seuche dienen, sondern auch als Wortträger für kollektiven Wahnsinn.

Es dürfte jedenfalls die erste und bisher einzige „Pandemie“ der Weltgeschichte sein, die sich innerhalb der üblichen Mortalität bewegt und somit gar keine Seuche („Pandemie“) sein kann. Was sich unter dem Titel „Pandemie“ heute in Europa abspielt, gehört vielmehr zur kollektiven Narretei. Es scheint mir ein rauschhafter, irrationaler, animalischer Todestrieb, in den übersättigte Gesellschaften nach den Höhepunkten ihrer Leistungsfähigkeit gerne verfallen.

 

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Dr.phil. Georg Dekas

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