Duden | Griasti Femina, äh, Spezi!

Gitanes, Wien - Kreide-Aquarell-Skizze von G. Dekas, 1979
Gitanes, Wien - Kreide-Aquarell-Skizze von G. Dekas, 1979

Angeblich werden 12.000 Wörter in den heiligen Gral der deutschen Sprache neu aufgenommen. Wie ist das möglich, eine solche Masse an Wörtern übersehen zu haben? Ärztin, Tischlerin? Das sind gar keine neuen Wörter, die waren immer schon drin. Schon, aaaber nicht sichtbar genug, meine Herren!

Gewiss, der (!!) Duden hat eine viel zu strenge und männliche Ausdünstung. Grammatiker nennen sie „Generisches Maskulinum“. Frau*in sieht dabei behaarte Muskeln vor sich, riecht Schweiß…, pfui Deibel. Genau dieser animalische Geruch, der Fortpflanzung durchaus dienlich, soll verschwinden. Wer will denn heute noch Reproduktion?

Das Gegenparfüm könnte ‚Gentle Gender Blossom‘ heißen. In der Sprache der Grammatik vielleicht sogar ‚spezifisches Femininum‘: Weiblichkeit in Wort und Schrift, immer und überall aufgetragen, dazu gehängt, vorausgesprüht, *Innen und Außen. Ausladende Wortkosmetik ist angesagt, stundenlanges Machen vor dem Spiegel, bis jeder Satz weiblich genug daherkommt. „Gendergerecht“ muss Sprache sein, sonst tut sie „uns Frauen Gewalt an“, sprach Päpstin Pusch.

Hat denn ein Wortschatzbuch nicht die Aufgabe, den Sprachgebrauch in all seiner Höhe und Tiefe wachsam und nüchtern abzubilden – sich flüchtiger Moden enthaltend? Worauf Italiens Treccani jüngst in klaren Worten bestand. Das hohe Amt des deutschen Wortschatzkanzlers übt der Duden seit 140 Jahren vorbildlich aus. Auch wenn zu befürchten steht, dass es auch im Tausendjährigen Reich von 1933 bis 1945 einige Neuzugänge gegeben haben mag, die mehr dem Willen und Drängen des machthabenden Zeitgeistes entsprachen als der nackten „sprachlichen Realität“. Zum ‚Auto‘ gesellte sich damals der (Personen-) oder (Last-) ‚Kraftwagen‘. Der ‚Gesichtserker‘ für Nase war schon vordem ein Spott auf die Bemühungen, das Sprachdeutsch krampfhaft ummodeln zu wollen.

Lange wurde daraus die Lehre gezogen, beim Auflisten von Wörtern sich tunlichst politisch-weltanschaulicher Beweggründe zu enthalten, insbesondere wenn diese aufrührerisch die Gemüter bewegen, wenn sie noch gären und schäumen und längst nicht zur Reife gelangt sind. Wenn Sprachwächter dieses Gebot missachten, dann sind sie Partei und nicht mehr Instanz. Doch diese alte Lehre scheint wieder vergessen. Sonst würde ein Feminist wie Frau Heidi Hintner nicht so hell über die (von Frauen geführte) Duden-Redaktion frohlocken.

Was meint Frau Hintner noch? Der grammatische Muskolino würde – Zitat: „in unseren Köpfen vorwiegend männliche Bilder“ erzeugen. Nun, das ist bei grammatikalisch nicht voll belasteten Frauen üblich und soll auch recht vergnüglich sein. Oder singen die Pop-Stars von Rihanna bis Helene alles falsch? Ich vergesse, hier geht es nicht um Natur. Es geht um Politik. Denn Frau Hintner schließt: Haben Sie auf die Frage ,Wer wird der neue Bundespräsident?’ das Bild einer Bundespräsidentin im Kopf?‘ Aber gewiss doch, Mylady: Angela Merkel! Gott bewahre.

P.S.

Hier zur Kenntnis und zum Kontrast der sachliche Standpunkt von Frau Univ.-Prof.  Ewa Trutkowski (in: „Maskulin ist nicht gleich männlich“, „Dolomiten“, 10. Februar 2021 – Seite 11, die Werbeseite  der Bozner Universität „UNI aktuell“), gegen den Frau Heidi Hintner anschreibt.

Zitate von Univ.-Professor Ewa Trutkowski

„Bisher waren Personenbezeichnungen im Online-Duden neutral, also im sogenannten generischen Maskulinum, gehalten (…) Nun rückt man von dieser geschlechtsneutralen Formulierung ab.“

„Als Linguistin wehre ich mich dagegen, weil damit Genus, also das grammatikalische Geschlecht, mit Sexus, dem biologischen Geschlecht, gleichgesetzt wird.“

„… nicht der Gebrauch des generischen Maskulinums, sondern das Gendern (ist) umstritten.“

„Durch sprachliche Sichtbarmachung kann man die soziale Realität nicht umstülpen.“

„Für mich ist Gendern eine Art „sprachliche Tätowierung, mit der man unter Beweis stellen möchte, dass man beispielsweise alternativ denkt, grün wählt und insgesamt ein aufgeklärter Geist ist.“

Die
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Dr.phil. Georg Dekas

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