A Biz | American Pizza

Foto (c) G.J. Dekas
Foto (c) G.J. Dekas

Man berichtet von einem „Pizza-Krieg“ zwischen USA und Italien. Die Städte Chicago und New Jersey wetteifern, wer die Pizza-Hauptstadt der Welt sei – das heißt, wer am meisten von diesem ebenso beliebten wie ungesunden Junkfood vertilgt.

Auf über 13 Kilo Pizza pro Bauch und Jahr bringen es die Amis, die Italiener auf 7,6 Kilo. Little Austria schafft nur statistische 3,3 Kilo Pizza. Eh klar, im Reich von Wienerschnitzel und Germknödel hat man Besseres zu essen als das überteuerte, mit Dosenallerlei belegte Fladenbrot aus dem Elektrorohr.

Doch Twitter-Italien erhebt Einspruch. Nix Pizza-Capitale America! Hauptstadt von Pizza sein Napoli! Die Pizza sei „nachweislich“ 1889 in Neapel erfunden worden, sagen sie. Die Pizza sei Teil der nationalen Identität und ein Markenzeichen der italienischen Küche. Was erlauben America? Die Italiener klagen auf „kulturelle Aneignung“, schreiben die Presseagenturen. Die Napoletani würden wohl eher „scippo“ dazu sagen (Handtaschenraub von der Vespa aus) – damit kennen sie sich aus. 

Doch es ist alles erlogen. Nichtmal der Name der Pizza ist italienisch. Er kommt vom germanischen „biz“, Biss(en). Nach Italien gebracht haben ihn die Langbärte, die Langobarden. Selbiges geschah mit den köstlich knusprigen Weizenfladen, die im gesamten Orient schon seit tausenden von Jahren  das tägliche Brot von der heißen Steinplatte waren – mit und ohne Hefe. In Italien eingeführt wurde es von den Hellenen in ihre eigene Stadt (Nea Polis = Neue Stadt, die „Jungfräuliche“, Παρϑενόπη). Später auch von den Sarazenen. Ja, und die Tomaten kommen nachweislich aus Amerika, von dort, wo der Vesuv-Kollege Popocatepetl sicher schon Myriaden von gebackenen Maisfladen mit allerlei köstlichen Draufgaben gesehen haben muss. 

An der Jahreszahl 1889 und der Pizza aus Neapel ist allein richtig, dass ein Nobelwirt dem piemontesischen Königspaar erstmals eine Pizza zugestellt (!) hat. Der König von Italien ließ es sich gefallen (er wollte die Gunst des Südens gewinnen). Die Königin Margherita fand die Leibspeise des Volkes überaus köstlich, n’est pas? Das Jahr 1889 und Neapel bezeichnen also die Geburt der „Pizza Margherita“ und nicht mehr. Immerhin. 

Die moderne Pizza wurde erst in den Vereinigten Staaten von Amerika zu dem, wofür sie heute alle Welt liebt. „Erfunden“ haben sie die italienischen Auswanderer, begehrt haben sie  die vom Krieg heimgekehrten GI’s. Somit ist die Pizza doch mehr amerikanisch als italienisch: Erkennbar an den üppigen Draufgaben – Pizza Hawaii! – und dem Schaumgummi-Hefeteig. So aufgepimpt trat die Pizza in den 1960ern den Rückweg über den Atlantik nach Bella Italia an, um sich dort als „immaterielles Kulturerbe“ feiern und niederzulassen. Wer sich Darmflora und Gesundheit ordentlich verderben will, der esse Pizza, Pizza, Pizza. 

Ist also die „Pizza nazionale“ nicht nur Junk, sondern gar ein Fake? Die runde Scheibe aus dem Ofen ist ein Amalgam aus dem Zusammentreffen von Orient und Okzident in der Mitte der Erdkugel, gewürzt mit einer Prise italienischer Chuzpe. Und doch auch wieder nicht – denn es gibt sie, die ultimative Ehrenrettung der Pizza. Ja, und die ist tatsächlich in Neapel zuhause und in diesen gottgebenedeiten und gottverdammten Terre rund um den großen Vulkan.

Es ist die Mozzarella, ein weltweit einzigartiger Weichkäse aus der kampanischen Büffelmilch, der die Pizza echt und köstlich macht. Zusammen mit der kleinen, braunvioletten ultrawürzigen Sardelle (Anchovis) aus dem Golf von Neapel oder Sorrent. Diese beiden katapultieren den arabisch-amerikanischen Pizzafladen in den Hochadel der Weltgerichte und Leibspeisen. Jetzt ist Pizza good stuff und eben auch Italia. So vulkanisch hoch oben, dass sie sich um die erbärmlichen Gastronomie-Chauvinisten aus dem Stiefelland nicht mehr kümmern muss. 

 

 

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