Retro | Ruf ist phone

Ruf = phone  Bild G.J. Dekas (c) 2021
Ruf = phone Bild G.J. Dekas (c) 2021

Einem schönen Briefkopf von 1950 entnehme ich (wieder einmal) das unvergleichlich bedeutungsstarke und elegante Wort „Ruf“ für Telefon.

Aus dem Privatarchiv
Aus dem Privatarchiv

Nur drei Buchstaben und jede Menge Inhalt. Ruf heißt Fernsprechgerät (Telefon Telephon, Telephone) und Telefonnummer in Einem. Es ertönt der Ruf:  Zurück in die Zukunft!

Durch den Fortschritt ist das gute alte „Telephon“ zum (smart-) „phone“ geworden und kommt so wieder auf den hellenischen Stamm für tönen, lauten, rufen. Was liegt also näher, als das schöne Wort Ruf aus der alten, fast vergessenen Schatzkiste zu holen?

RUF: Entstauben, aufglänzen, einsetzen!

O, jetzt kommen die Konformisten. „Der Ruf“ sei bereits besetzt, werden sie einwenden. Sauberkeit der Sprache sei ein Gebot.

Den grammatikalischen Zusammenstoß mit dem „Ruf der Wildnis“ oder dem Leut mit „zweifelhaftem Ruf“ kann man aushalten. Sprache ist mehr als das bürgerliche Gesetzbuch. Der Ruf in mehrerer Bedeutung wäre nicht die einzige grammatikalische Überlagerung und ist selbst eine. Der Zusammenhang entscheidet. Dafür ist der Mensch schlau genug.

Mann kann etwaig das (wiederum und lediglich grammatikalische) Geschlecht von „der“ auf „das“ oder „die“ wechseln. ‚Tanto‘, wie der Italiener sagt, ist das römische Genus und seine Beugungen eh auf dem Rückzug, getrieben vom weltsprachlichen und uniformen „the“ (das in Dutch „de“ ist und so auch in Deutsch irgendwann „de“ sein wird.)

Sprechproben

Hast’s Ruf dabei? Hab ein neues Ruf. Hab im Ruf geschaut. Hab das Ruf getscheckt.  Sag/send mir deine Rufnummer.

Hast die Ruf dabei? Hab eine neue Ruf. Hab in der Ruf geschaut. Hab die Ruf getscheckt.  Sag/send mir deine Rufnummer.

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Dr.phil. Georg Dekas

georg@dekas.it