Eva | EHE es zu spät ist

Leipzig 2016 Frauenmotiv in der Innenstadt - Bild G.J. Dekas
Leipzig 2016 Frauenmotiv in der Innenstadt - Bild G.J. Dekas

Eines der wertvollsten Erbstücke aus Merans Kaiserzeit ist die Evangelische Kirchengemeinde rund um die Christuskirche an der Passerpromenade. Wertvoll, weil mit der kleinen, aber lebendigen und klug geführten Christengemeinde der Geist der Reformation über den Alpenhauptkamm in das Katholische bei uns hereinweht. Augenfälligstes Merkmal des evangelischen Geistes ist, dass der Pfarrer eine Frau hat. Eine Ehefrau und damit so gut wie eine Mit-Pfarrerin. Keine Widumshäuserin und keine andere weibliche Gestalt, wie sie in der römischen Konfession häufig im zweiten Glied steht oder verborgen als dienstbare Gehilfin, Muse oder gar Konkubine angeblich existieren soll. Folglich ist die evangelische Pfarrersfrau auch keine, die man nicht nur als „Gute Seele“ betiteln möchte, wie die weiblichen Geister im Umfeld der römischen Kirche oft und gerne genannt werden. Die Ehefrau eines Pastors ist per Recht und Tradition vollwertige Frau und Berufspartnerin. Wenn es zwischen den Eheleuten läuft, dann machen eine Frau und ihr Mann zwei gute Seelen aus – auch außerhalb der Kirche. Aber im Geistlichen ist eine gute Ehe Power hoch zwei. Das merkt und sieht man auch in Meran, wo Pastor Martin Krautwurst und seine Ehefrau Ulrike, beide aus Thüringen, seit Jahren wirken.

Für ihren Einsatz wurde Frau Ulrike jetzt von ihrer Kirchengemeinde geehrt. Die katholische Presse hat es wohlwollend aufgenommen („Dolomiten“, 12. Jänner 2021, auf der Meraner Seite: „Ehrenamtspreis für die gute Seele im Pfarrhaus“). Glückwünsche an das Pastorenpaar und an die evangelische Gemeinde.

Bei derlei Anlässen bleibt auf katholischer Seite eine gewisse Wehmut zurück. Warum hat es die römische Kirche bis heute nicht geschafft, der Frau einen rechten und würdigen Platz an der Seite des geweihten Mannes einzuräumen? Es wäre eine echte und keineswegs nur oberflächlich-feministische Gleichberechtigung von Mann und Frau in den geistlichen Berufen. Als die päpstliche Kirche nicht nur eine geistige Macht war, sondern weltliche Herrschaft und Besitz innehatte, besaß die „Ehepolitik“ der Petruskirche zumindest eine Logik, eine eiserne noch dazu. In der vormedizinischen Epoche fanden die massenweise überschüssigen Kinder der Familien in Klöstern und Orden ihr Auskommen und ihre Heimat. Jeder Erbschaftsanspruch, der sich mit einer Heirat zwangsläufig ergibt, hätte das Vermögen und die Macht der Kirche im Nu zerbröselt. Daher das Eheverbot für Nonnen, Mönche und Patres. Heute ist die Lage eine vollkommern andere. Die katholischen Klöster und Pfarrhäuser sind bald ganz leer. Die Gläubigen schwinden dahin, die Kirchenbesucher noch viel schneller. In Holland werden katholische Kirchen auf dem Immobilienmarkt angeboten und verkauft wie Villen oder Industriebauten. Die Kirche schrumpft, wie das weltliche Europa auch, beiläufig bemerkt. Das ist eine nackte Tatsache und als solche weder gut noch schlecht. Es geht allein darum, ihr in die Augen zu schauen und sich darauf einzustellen. Die Familiarisierung der katholischen Kirche durch die Priesterehe wäre ein gebotener Zug, um das Gute der Institution Kirche zu bewahren und neues Wachstum, auch im Kleinen, zu ermöglichen. Hoffentlich dauert diese Umkehr nicht noch weitere 500 Jahre.

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Dr.phil. Georg Dekas

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