Zeiten | Jürgens Rappe

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Der entschlossene Schritt ehrt ihn: Der rührige und nach unkonventioneller, zeitgenössischer Darstellung seiner Herzenssache strebende Jürgen Wirth Anderlan hat sein Ehrenamt als Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes zurückgelegt. Er hat das Amt freigestellt, weil ihm sein einmaliger Ausritt in die rappig-ruppige Gangsta-Szene der Musik gründlich misslungen ist.

Von denen, deren Sprache und Gestus er nachahmen wollte, das aber längst nicht gut genug kann, hat er sowieso einen auf den Deckel bekommen. Das ist nicht weiter verwunderlich. Nicht umsonst heißt es, Schuster bleib bei deinen Leisten. Von der politischen Kritik der heimischen Hammerfeministen und der altklugen Junggrünen müssen wir an dieser Stelle gar nicht reden, so durchsichtig sind deren Beweggründe, so fadenscheinig und stereotyp die Einwürfe.

Nein, der Anderlan-Rap „Mamma Tirol“ ist den eigenen Reihen übel aufgenommen worden. Man darf und muss es aussprechen: Die Kritik von Freunden, Kollegen und von heimattreuen Mitstreitern sitzt und passt wie ein Turnschuh.

Dabei geht es längst nicht nur um das italienische „Mamma“ im Songtitel oder um den Berlindeutschen Ausrutscher „leckerer“ Luft. Es geht auch nicht um die paar politisch unkorrekten Stereotype, die der Rapper Anderlan im Text eingeflochten hat – vielleicht in der Absicht, die ideologischen Gegner zur Weißglut zu bringen, wahrscheinlich aber eher, weil er dachte, so schreiben und singen halt richtige Rapper.

Nein, das Ärgerliche und Abgründige ist, der Text und die Bildsprache dieses einen „Rap“ zeigen einen einsamen Gruftie, einen Bunkermann, eine gehässig verbitterte Gestalt, einen bei Wein und Tschigg sich gehenlassenden „Verlierer“, der sich allein im Dunkel eines Kellers um alles „erleichtert“, was ihn bedrückt.

Nun weiß der reale Jürgen Wirth Anderlan selbst ganz genau, dass dies nicht die Denke, nicht die Haltung und schon gar nicht die Seelenverfassung von Tiroler Schützen ist – nicht einmal und erst recht nicht im Jahr 2020! Er hat es einfach mit der Anbiederung an den dunklen Zeitgeist zu weit getrieben und hat dafür mit Fug und Recht von seinen Leuten mehrere zu den Ohren bekommen.

Es ist das überschaubare, begrenzte Ungeschick eines Mannes. Es besteht kein Grund, den Stab über ihn zu brechen. Das hätten die weltanschaulichen Gegner gern. Der reale Jürgen Wirth-Anderlahn ist ein Mann, der für seine Sachen gerade steht und der die notwendigen Schritte tut. Der Schützenbund seinerseits hat auf das mediale Waterloo richtig reagiert und wird diesen schlecht gekünstelten Ausrutscher nicht nur überleben, sondern auch dessen Gesundungswirkung zu nutzen wissen. Nicht nur machen wir alle Fehler – die Klugen lernen sogar daraus.

Die Tiroler Schützen aller Himmelsrichtungen und Heimatsprachen denken zuversichtlich, sind stark, hoffnungsvoll, selbstbewußt. Sie achten selbst die, von denen sie verachtet und ausgelacht werden. Tiroler Schützen haben genug eigenen Stil und eigene Kultur, als dass sie mit fremden Federn und mit uneigenen Worten schöntun müssten.

Bellende Hunde hinterm Zaun konnten den Weg der Schützen schon früher nicht aufhalten und vermögen das auch heute nicht. Allen Spöttern (ja, hier wird nicht gegendert), die jetzt billig und wohlfeil über die Schützen herziehen, sei das gesagt und ins Buch geschrieben.

Zuerst veröffentlicht auf unsertirol24.com

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