Sprachglosse | Person

Altes Gefängnis Ponza 10977 Bild G.J. Dekas
Altes Gefängnis Ponza 10977 Bild G.J. Dekas

„Per-sonare“, heißt hindurch-tönen. Im Altertum wurden im Theater nur „Typen“ dargestellt. Die Maske war ein tönernes Kunstgesicht, das den  Wesenszug der Rolle übertrieben sichtbar und die Stimme im Freien besser hörbar machte: das leicht aufgestülpte Sprechloch der Maske wirkte als Verstärker.

Das Wort Person hat sich festgesetzt, um Menschen als Typen mit vorgefertigtem Ausdruck, aber ohne eigenes Gesicht und eigene Sprache zu bezeichnen. Als der Mensch hinter der Maske hervortrat und eine unverwechselbare Rolle mit eigenem Gesicht darstellte, nannte man das Aufklärung, Klassik, Humanismus.

„Wer ist diese Person?“ Diese mit hohem Kinn und verächtlichem Ton vorgebrachte Scheinfrage pflegte früher jemand zu stellen, der eine herausragende, individuelle Stellung einzunehmen glaubte. Um zu sagen: Du Person, ich Mensch.

„Person“ ist das Wort für Menschen-Einheiten, für „Stück“. Neun Stück Kegel abgeräumt. Sechs Stück Eier im Karton. Fünf Personen im Fahrstuhl.

Wenn vor einem Saal geschrieben steht, „Max 500 Pers.“, dann ist das zu Recht eine Sache für die Feuerwehr, die Versicherung, die Rettung, kurz, etwas Amtliches. Nichts Persönliches.

Wenn nun ein Theaterkritiker schreibt, das Schauspiel sei von 500 Personen besucht worden, dann hat er seine Aufgabe verfehlt. Statt Sehen und Fühlen gibt er einen Polizeibericht.

Das Wort „Person“ ist strikt auf das amtlich, technisch und polizeilich Unvermeidliche zu begrenzen. Dem menschlich Einzigartigen ist immer der Vorzug zu geben. Du nicht Person, du Mensch.

Die Schauspielkunst hat sich weiter entwickelt, die Sprachkunst der Heutezeit sollte es auch tun.

Dr. Iglart dekas igl

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Dr.phil. Georg Dekas

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