Sprachglosse | Pratzl

Pratzlbaum / Hand aufhalten
Pratzlbaum / Hand aufhalten

Als ich vor Jahren diesen wundersamen Baum in meiner Nachbarschaft in Lana ablichtete, taufte ich ihn „Pratzl-Baum“.

„Pratzlen“ nennt man bei uns die Finger/Hände/Arme von Kind, Hund, Katze, usw., wenn drollig gemeint.  („Gib’s Pratzl“ zum Hund; „S’Poppi hat die Pratzlen voller Marmelad“.)

Der Ursprung des Wortes lässt sich unschwer in „Braccia“ (ital. Arme) erkennen. Vergleiche dazu auch die Herkunft von Brezel.

Wie ich heute dieses Bild aus dem Kasten hole, fällt mir auf, dass die Pratzlen dieses Baums wie Arme sind, die ihre Hände mit den dicken braunen Griffeln so nach vorne strecken und aufhalten, als ob es Gold vom Himmel regnen würde.

Da muss ich unvermittelt an die so genannten „Corona-Furbetti“ denken, von denen die italienischen Zeitungen in diesen Tagen voll sind. Auch die haben die Hand aufgehalten. Sie durften ja.

Nein, moralische Urteile und erst recht Vor-Ver-Urteile gibt es hier keine. Der „600-Euro-Skandal“ ist halt wieder einmal so ein typisches Dis-Gustostückerl der italienischen Gesetzgebungskunst und Politik.

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Dr.phil. Georg Dekas

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