Politik |Plakate gegen Alk zu wenig

Bock (c) GD
Bock (c) GD

Seit in Südtirol des Nachts über ein Dutzend Menschen – angeblich an einem beleuchteten Zebrastreifen – von einem heranrasenden Sportwagen niedergemäht und allein schon an Ort und Stelle sechs Menschen getötet wurden, verharrt das ganze Land in Betroffenheit und Scham.

Betroffen, weil es jedem hätte widerfahren können, als Verursacher, als Opfer. Beschämt, weil der Tod nicht durch Krieg, Arbeit oder Verbrecher kam. Das Unglück brach urplötzlich und unerwartet hinein in den vermeintlich abgesicherten Bereich des fröhlichen Feierns und sportlichen Freizeitvergnügens.

Weil man den Leichtsinn und das Schreckliche nicht ungeschehen machen kann, kehrt sich nun die Ohnmacht um in den Drang, eine bekämpfbare und unpersönliche Ursache festzumachen.

Man gibt dem Alkohol die Schuld. Es folgt das heilige Versprechen von Politik und Polizei, das Autofahren unter Einwirkung dieses althergebrachten und allgegenwärtigen Erheiterungs- und Rauschmittels in Bier, Wein oder Schnaps mit allen verfügbaren Mitteln zu unterbinden. Was mit den anderen, den illegalen Drogen ist, von denen Kilos und Tonnen beschlagnahmt werden, bleibt vorerst im Dunkeln.

Es tritt eine Elefantenrunde von Ordnungskräften und Gesetzgebern zusammen. Die Polizei sagt, die Gesetzeslage mit Verboten und Strafen sei scharf genug. Die Politik meint, Polizei und Kontrollen allein könnten die Lösung nicht sein. Die Runde einigt sich auf das Zauberwort Prävention – mehr Bewusstseinsbildung also. Sie hätten gleich gut Placebo sagen können.

Vorbeugung im Kopf wirkt nur langfristig und selbst dann sehr unvollständig. Predigten und Plakate beruhigen das Gewissen der Menschen guten Willens, in der Tat bewirken sie zu wenig. Strenge Gesetze helfen nur so viel, als Verstöße auch geahndet werden. Wirklich unverzichtbar ist allein die Gegenwart der Ordnungskräfte. Sie ist die einzig wirksame Prävention.

Am Traurigsten ist es, feststellen zu müssen, dass Opfer die überzeugendste Mahnung, Täter die überzeugendste Abschreckung sind. Die Schockwirkung beider nimmt so schnell ab, so überwältigend sie am Tag des Unheils ist. Sollen die Opfer nicht vergebens sein, ist es notwendig, mehr zu tun als „Prävention“ in Form von Plakaten und Appellen gegen den Alk. Auch weil das ständige Moralisieren den Eiferern und Gesinnungswächtern Tür und Tor öffnet.

Nein, den PS-Rasern gehört ganz professionell das Handwerk gelegt: Auch im nüchternen Zustand, auch im Alltagsverkehr, gleich ob in SUV, Sport- oder Lieferwagen, gleich ob am Morgen oder in der Nacht. Harte und stetige Polizeiarbeit ist das Um und Auf. In Südtirol am besten die Polizeiarbeit in Landesuniform.

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Dr.phil. Georg Dekas

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