Patriotisch versus populistisch

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Nahezu alle Pressestimmen zur Landtagswahl 2018 geben „das patriotische Lager“ als großen Verlierer. Für viele steht die Frage im Raum: Sterben die Tiroler Patrioten aus? Gehören sie wirklich ins Museum, wie die Gegner nicht müde werden zu sagen?

Um eine halbwegs standfeste Antwort bieten zu können, müssen wir zwischen „patriotisch“ und „populistisch“ unterscheiden.

„Patriotisch“ heißt nicht automatisch „rechts“ (wie immer gesagt wird) und „rechts“ heißt nicht automatisch „patriotisch“ (wie sonst hätte ein Hitler Südtirol verraten können?)

Patrioten können liberal, sozialistisch, grün, konservativ, politisch neutral, gläubig, agnostisch usw. sein. Ganz wichtig ist: Patrioten sind immer „für etwas“, nie nur „gegen“ etwas.

Ein Patriot verteidigt mit all seiner Kraft, was ihm lieb und teuer ist: Seinen Fleck Erde, seine Kinder, seine Art zu leben, seine Freiheit. Er greift nicht mutwillig an, er hasst nicht.

Patriotismus denkt positiv. Dadurch unterscheidet sich der Patriotismus vom Nationalismus, vom stets populistischen und totalitären Rechts- oder Linksextremismus.

„Populistisch“ hingegen kennzeichnet nicht so sehr bestimmte politische Inhalte als vielmehr einen besonderen politischen Stil.

„Populistisch“ kann jede Partei sein, eine patriotische, rechte, linke oder bürgerliche.

Populismus ist, wenn politische Agitatoren oder Führer die Gefühle und Nöte der Masse reiten, damit an die Macht kommen und ohne jegliche Rücksicht auf Begleit- und Folgeschäden regieren. (Wieder ist Adolf Hitler das beste Beispiel.) Populismus gibt es auf der „rechten“ wie auf der „linken“ Seite.

Testen wir das Schema an den drei Parteien des sogenannten „patriotischen Lagers“ im Südtiroler Landtag.

 Patriotisch und links

Alle drei deutschen patriotischen Parteien, Freiheitliche, STF und Pöder hatten und haben ein ausgesprochen soziales Profil. Sie könnten diesbezüglich locker als „links“ bezeichnet werden.

Patriotisch und rechts

Dass diese drei Parteien (in unterschiedlicher Weise) die Loslösung von der Republik Italien vertreten, macht sie noch nicht zu „rechten“ Parteien: Den Wunsch nach Eigenstaatlichkeit gibt es auf „rechter“ wie auf linker“ Seite. Beispiel Slowakei, Kosovo, Schottland, Katalonien.

Die genannten drei Parteien haben selbstverständlich auch „rechte“ oder besser gesagt konservative Züge. Diese zeigen sich in der Haltung zu Heimat, Familie, Muttersprache, Kultur, Religion, Ordnung und Sicherheit.

Patriotisch und populisitisch

Dazu liefert der Fall der Freiheitlichen den Stoff. Der wachsende Unmut mit dem „System Durnwalder“ und die Folgen der Einwanderungswelle fand in den Freiheitlichen gegen Ende der 1990er Jahre sein Sprachrohr. Das führte die Partei zum Höhenflug und zu den phantastischen Ergebnissen von 2013. Doch bei diesem Turbo handelt es sich um Proteststimmen von sozial Unzufriedenen, die „gegen“ etwas sind und nicht unbedingt um patriotische Stimmen, die immer auch „für“ etwas sind.

Was bringt die Zukunft? 

Die nächste Frage ist: Werden sich die „patriotischen Parteien“ im Südtiroler Landtag von diesem Rückschlag erholen und in neuer Stärke wieder auferstehen?

Dazu müssen wir zwischen Patrioten und dem „patriotischen Lager“ unterscheiden lernen.

Heute noch hält sich in Südtirol ein gefestigtes Tirolbewusstsein, dem die Beliebigkeit der Identitäten in der digitalen und globalisierten Welt nicht so ganz gefallen: Zeitgemäß ja, aber nicht wurzellos. Dieses Tirolbewusstsein spiegelt sich nicht 1:1 in der Politik (also in den politischen Parteien des Südtiroler Landtages).

Es ist im vorpolitischen Raum lebendig, bei den Vereinen und Verbänden (z.B. Schützen), nicht zuletzt in der persönlichen Einstellung sehr vieler Landsleute quer durch alle Schichten und politischen Farben. Nennen wir diese Gesamtheit die Patrioten. Im Politjargon spricht man vom „patriotischen Lager“. Wir wollen diesen Begriff nur für politische Parteien gelten lassen und stellen somit fest, dass die „Patrioten“ und das „Patriotische Lager nicht deckungsgleich sind. Einfach gesagt: Es gibt Patrioten, die nicht die Parteien des „patriotischen Lagers“ wählen.

Gleichzeitig sind die Patrioten ein Reservoir, aus dem Parteien schöpfen können. Je nachdem, wie sie das tun, werden sie wachsen oder schrumpfen, bestehen oder untergehen.

 

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