„brauche ich eine Person…“

Marienkäfer jagt Läuse im Grün - Bild: Hans/Pixabay
Marienkäfer jagt Läuse im Grün - Bild: Hans/Pixabay

Im Portal „Tageszeitung Online“ wehrt sich RAI-Südtirol-Chefredakteurin Heidy Kessler gegen den Vorwurf, sie würde die Grünenpartei öfter als andere zu Wort kommen lassen. Hier ein kleiner, offener Brief zu den veröffentlichen Sätzen der Nachrichtendirektion des öffentlich-rechtlichen, guten alten „Sender Bozen“.

 

Werte Frau Chefredakteur von RAI Südtirol, im Portal „Tageszeitung Online“ wehren Sie sich gegen den Vorwurf, die Sendeanstalt, deren Redaktion Sie leiten, würde die Grünenpartei öfter als andere zu Wort kommen lassen. Erlauben Sie uns einige kleine Hinweise zu Art und Inhalt Ihrer Rechtfertigung, ohne auf den Streit an sich einzugehen.

Zuerst die Stilfrage. In einem leitenden Amt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks klingen Sätze wie der nachfolgende befremdlich. Zitat Heidy Kessler: „Wer, außer Brigitte Foppa, sagt mir, dass ein Kruzifix in der Schule nichts zu suchen hat? Wenn es um dieses Thema geht, brauche ich eine Person…“. Sätze mit so viel „Ich“ passen einfach nicht zu einem leitenden Amt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Außerdem könnte der obige Satz auch missverständlich gelesen werden. Etwa dass Frau Chefredakteur von RAI Südtirol die jeweils gebrauchsfähige „Person“ hernimmt, um gezielt politische Botschaften auszusenden. Das wäre selbstverständlich eine Unterstellung. Sicherlich wollten Sie, der Würde Ihres Amtes entsprechend, nur ausdrücken, dass es Pflicht einer öffentlich rechtlichen Sendeanstalt sei, in gesellschaftlich kontroversen Streitfragen alle Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Die zweite Kleinigkeit betrifft die politische Farbenlehre. Zitat: „Es ist nun einmal so, dass die Grünen und Paul Köllensperger die einzigen Kräfte sind, die das liberale Gedankengut vertreten“. Bitte helfen Sie uns, herauszufinden, was bei den Grünen so besonders „liberal“, also marktwirtschaftsfreundlich ist, und warum dieses Prädikat auf eine so bürgerliche Partei wie die SVP nicht zutreffen sollte?

Ferner sei daran erinnert, dass es jenseits von Grün und Köllensperger nicht einfach nur „die Rechten“ gibt. Politische Marktschreier lieben das Links-Rechts-Schema. Ein Fensterprogramm der Radiotelevisione Italiana, das den Auftrag hat, unsere mitteleuropäische Kultur zu vertreten und zu pflegen, sollte über solchen Grobheiten stehen (…und anderen, Stichwort „Schmutzkübelkampagne“ auf Tagesschau Online).

Zustimmungswürdig hingegen ist Ihre gegenüber dem TZ-Portal getätigte Aussage: „Öffentlich-rechtlich heißt nicht, dass die Besetzung von Diskussionsrunden nach der Stärke einer Fraktion im Landtag zu erfolgen hat.“ Nur, warum in aller Welt berufen Sie sich dann ausgerechnet gleich wieder auf die politischen Mehrheitsverhältnisse, wenn es um gewisse (Sende-) Inhalte geht? Zitat: „Wir können nicht immer über die Selbstbestimmung und über den Gebrauch der Muttersprache diskutieren. Wir würden in dem Fall am Interesse der Seher vorbeidiskutieren, wie die Wahlen gezeigt haben.“

Wenn Qualität vor Menge gehen soll, dann bitte durchgehend ohne Abzählen von Prozenten. Unsere politische Landschaft bietet reiche Auswahl und Abwechslung. Gerne weniger Quote, aber bitte auch weniger Stereotype.

 

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