Zeitgeist | Der Geist der 68er

1968er Wein - Bild G.J. Dekas (c) 2020
1968er Wein - Bild G.J. Dekas (c) 2020

Wollte man die 68er auf ihre politisch rote Geschichte eingrenzen, griffe das zu kurz. Die Ursachen und Folgen der gesellschaftlichen Umwälzungen in den 1960er und 1970er Jahren gehen weit über die 68er Bewegung hinaus. Um das Meinungsgut der „68er“, das heute noch mit Macht wirkt, besser zu verstehen, muss man festhalten, wie und warum es in Europa zu einem neuen Denken kam, das „den Muff aus tausend Jahren“ in den Müll befördern wollte.

Babyboomer drücken nach oben

Eine der Ursachen der Studentenrevolte von 1968 war, dass die sogenannten „Babyboomer“, also die starken Geburtenjahrgänge nach dem Krieg, an die Hochschulen drängten und dort nur begrenzte Plätze vorfanden. Das löste den Kampf um die Öffnung der Hochschulen aus. Damit verbunden war die Absenkung von Leistungsstandards und Zugangsvoraussetzungen (auch in den anderen Spitzenfeldern der Gesellschaft), was allgemein als „Demokratisierung“ wahrgenommen wurde.

Sexuelle Freiheit

Eine zweite Ursache war durch das Gummi-Kondom und die Erfindung der Anti-Baby-Pille gegeben. Diese beiden Erfindungen lösten die sogenannte „sexuelle Revolution“ aus, die zum kulturellen Bestandteil der 68er wurde und vielleicht mit ein Grund ist, warum die 68er-Generation heute verklärend und nostalgisch auf ihre Jugendzeit zurückblickt.

Jeans und Coca Cola

Eine dritte Ursache war der Siegeszug des „American Way of Life“ in Europa. Als nämlich die Amerikaner 1945 das zweite Mal den Krieg gegen Deutschland und seine Verbündeten gewonnen hatten, begannen sie eine „Freundschaftsoffensive“.  (Ganz im Unterschied zu 1918, als sie den rachsüchtigen Franzosen das Feld überließen). Mit dem neuen billigen Geld aus Übersee kamen Jeans und Coca-Cola (übrigens ein Feindbild der 68er). Amerika brachte mehr Demokratie und soziale Durchlässigkeit. Vor allem aber brachte Amerika billiges Erdöl nach Europa und damit das Antriebsmittel für den großen Aufschwung. Die jungen Europäer begannen zu glauben, dass der amerikanische Traum jetzt auch in der alten Welt möglich sei: Vom Tellerwäscher zum Millionär. Das Ganze gefiel und tat der Wirtschaft ausnehmend gut. Die neuen Freiheiten ließen den Konsum und damit das Wachstum der Volkswirtschaften in bislang unbekannte Höhen schießen.

Nicht die Roten veränderten die Welt

Die 68er, sie waren auch die Söhne und Töchter der von Amerika angestoßenen Wirtschaftswunderzeit. Schon bevor die 68iger die Bühne der Politik betraten, waren die „Beatles“ und ihre Musik zum Inbegriff der neuen Zeit geworden. Merkmale der Jugend wurden in der Folge die langen Haare, die Rockmusik, freier Sex und neuartige Rauschmittel. Das, und nicht die Rudi Dutschkes und Alexander Langers jener Zeit, waren die eigentliche Kulturrevolution, mit der sich die roten 68er gerne, aber zu Unrecht, schmücken. Im Grunde ging es nur bedingt um Klassenkampf. Ganz oben stand eine neue libertäre Einstellung zu Leben, Genuss und Denken. In Europa zog eine „amerikanische“ Kulturrevolution auf. Elvis, die Hippies und die Rock-Gitarristen verkörpern sie besser als die politisch verbohrten 68er.

Georg Dekas

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Dr.phil. Georg Dekas

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