Theo | Groß denken wie Gott?

Cittadella - Der Herr ist meine Burg - Bild privat 2015
Cittadella - Der Herr ist meine Burg - Bild privat 2015

Sehr geehrter Herr Bischof Ivo Muser, zum Hoch-Unser-Frauen-Tag am 15. August laden Sie mit einem Hirtenbrief die Gläubigen der Diözese Bozen Brixen ein, über drei Gedanken zu reden (Mit Maria für die Würde des Menschen). Im ersten Gedanken sprechen Sie von der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria als von einem Sinnbild für die Erlösung des Menschen durch Gott. Wer sich Gott anheimgibt, der wird aufgenommen, mit all seinen Schwächen und Verfehlungen, denn Gott denkt groß. Das ist ein tröstlicher, erhellender und wundersamer Gedanke.

So denken wie Gott?

Im zweiten Gedanken fordern Sie uns auf, „auch“ wie Gott zu denken, nämlich groß – groß zu denken von jedem Menschen. Abgesehen davon, dass dieses „auch“ eine nicht geringe Anmaßung verbirgt, muten Sie uns Irdlingen doch einiges zu. Wir denken gerne groß von Menschen, die Größe zeigen und Größe verdienen: Eine selbstlose Mutter, ein tapferer Vater, freundliche Nachbarn, hilfsbereite Fremde, ehrlich arbeitende Bürger, Menschen, die etwas für die Gemeinschaft tun, tüchtige Unternehmer, bahnbrechende Forscher, schaffensreiche Künstler – die Aufzählung ginge noch lange weiter – und selbstverständlich helfen wir gerne und erbarmen uns unschuldig Leidender. Wer wollte nicht Leben schützen und Freude bereiten? (Weil es uns neue Freude zurückgibt). Doch genauso schnell sind wir knauserig, misstrauisch und ablehnend, sobald uns das Böse begegnet oder wir Böses wittern. Das Böse begegnet uns in Gestalt von Menschen. Da zählt es nicht, ob diese Gestalt als Millionär oder als Flüchtling daherkommt, als Biedermann oder Junkie, als fescher Mann oder als schöne Frau, als Idol oder als Penner. Denn anders als das Gute ist das Böse sorgfältig getarnt.

Jeder hat ein Startguthaben

Dennoch geben die meisten von uns jedem, der neu auftaucht, einen Startkredit, sogar wenn sie eigentlich gar nicht begeistert von ihm sind. Es liegt dann am anderen, ob dieser Startkredit des Vertrauens und Wohlwollens wächst oder ob er sofort dahinschmilzt und sich in sein Gegenteil verwandelt.

Es gibt Lebensweisheiten für diesen Vorgang. Die Pessimisten sagen, gib überhaupt keinen Kredit. Wenn etwas Gutes da ist, kommt es von allein, und wenn nichts Gutes da ist, bleibst du von Verlust und Enttäuschung verschont. Der Optimist hingegen vergibt den Kredit gerne und zeigt sich großzügig. Wenn er enttäuscht wird, nimmt er es nicht persönlich und versteht es, Verluste wegzustecken. In der Mehrheit der Fälle aber hilft dem Optimisten eigentlich nur der Instinkt für gute Geschäfte mit Menschen. Mit seinem Positive-Thinking-Kredit bewirkt er wahre Wunder an Investitionen, die dem Pessimisten nie gelingen werden. Doch das bleiben gesegnete Ausnahmen.

Unzählige sind hingegen die Schicksale, wo ein Zuviel an Vorschussvertrauen, Arglosigkeit, Gutmütigkeit oder auch nur an blinder Liebe Menschen zurückgeworfen, zerstört, sie in das Elend oder gar in den Tod getrieben hat. Die Warnungen der Mütter und die Weisheit der Sprichwörter stimmen eben meistens.

Für ein göttliches „groß denken“ sind wir Menschen zu klein und zu verletzlich. Es wäre ein Verstoß gegen die Lebenserfahrung, wenn man einer Menschengestalt nur ob ihres Äußeren von Anbeginn an nur das Gute oder nur das Böse anhängen wollte. Es gibt eben nicht nur „gute“ Flüchtlinge, Arme oder Kranke, genauso wenig wie es nur „böse“ Reiche, Diebe oder Betrüger gibt.

Würde kann man auch verspielen oder verkaufen

Zu Ihrem dritten Gedanken, der Würde der Frau, nur wenige, einfache Fragen: Glauben Sie nicht, dass die Würde der Frau (wie die des Menschen allgemein) sich immer entscheidet mit dem, was sie denkt und was sie tut oder auch in der Art, wie sie sich benimmt? Kann eine frühreife 12jährige, die sich aufreizend kleidet und den Männern schöne Augen macht, ganz die Unschuld eines Kindes und die Tugend einer keuschen Jungfrau in Anspruch nehmen? Mit der naturgegebenen Würde (Postulat der Menschenrechte) kann man auch Schindluder treiben, ob bewusst oder getrieben ist eine andere Sache. Gehen wir vom Amateurbereich ins Gewerbe. Sicher hat auch eine Pornodarstellerin ihre Würde, nur kann sie kaum die Würde einer Heiligen für sich beanspruchen, will das wahrscheinlich auch nicht. Sie erhält ihren Lohn dafür, dass sie ihr Leben preisgibt. Oder die Huren: Längst nicht alle werden gezwungen, Liebesdienste zu verkaufen. Sie erhalten ihren Lohn und geben ihr Leben her. Die Schattenseiten – Depressionen, Geschlechtskrankheiten, Drogen, Beziehungsunfähigkeit – sie sind der Preis einer Lebenswahl. So wie jede Lebenswahl ihren Preis hat und daraufhin Würde oder Würdelosigkeit folgt. Nun zur Würde der Frau in der bürgerlichen Beziehung: Nicht selten ist heute die Ehe in den reichen Ländern des Westens zu einer besseren Form der Prostitution verkommen.

Mit dem Hebel eines veralteten und einseitigen Scheidungsrechts pressen Frauen ihren Männern die Scheidung ab und leben hinkünftig auf deren Kosten. Leistung erbracht. Fragen Sie sich einmal, sehr geehrter Herr Bischof, wieviel versteckte Gewalt gegen Männer allein hier abläuft, und Sie werden Antworten zu vielen Frauen- und Kindermorden bekommen – Antworten, die in der Presse nicht neben der Meldung stehen, sehr wohl aber dem Leben zu entnehmen sind.

Georg Dekas

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Dr.phil. Georg Dekas

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