Von guten und bösen Schafen

DSC_1303

Antwort auf einen Hirtenbrief

Sehr geehrter Herr Bischof Ivo Muser, zum Hoch-Unser-Frauen-Tag am 15. August laden Sie mit einem Hirtenbrief die Gläubigen der Diözese Bozen Brixen ein, über drei Gedanken zu reden (Mit Maria für die Würde des Menschen). Im ersten Gedanken sprechen Sie von der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter Maria als von einem Sinnbild für die Erlösung des Menschen durch Gott. Wer sich Gott anheimgibt, der wird aufgenommen, mit all seinen Schwächen und Verfehlungen, denn Gott denkt groß. Das ist ein tröstlicher, erhellender und wundersamer Gedanke.

So denken wie Gott?

Im zweiten Gedanken fordern Sie uns auf, „auch“ wie Gott zu denken, nämlich groß – groß zu denken von jedem Menschen. Abgesehen davon, dass dieses „auch“ eine nicht geringe Anmaßung verbirgt, muten Sie uns Irdlingen doch einiges zu. Wir denken gerne groß von Menschen, die Größe zeigen und Größe verdienen: Eine selbstlose Mutter, ein tapferer Vater, freundliche Nachbarn, hilfsbereite Fremde, ehrlich arbeitende Bürger, Menschen, die etwas für die Gemeinschaft tun, tüchtige Unternehmer, bahnbrechende Forscher, schaffensreiche Künstler – die Aufzählung ginge noch lange weiter – und selbstverständlich helfen wir gerne und erbarmen uns unschuldig Leidender. Wer wollte nicht Leben schützen und Freude bereiten? (Weil es uns neue Freude zurückgibt). Doch genauso schnell sind wir knauserig, misstrauisch und ablehnend, sobald uns das Böse begegnet oder wir Böses wittern. Das Böse begegnet uns in Gestalt von Menschen. Da zählt es nicht, ob diese Gestalt als Millionär oder als Flüchtling daherkommt, als Biedermann oder Junkie, als fescher Mann oder als schöne Frau, als Idol oder als Penner. Denn anders als das Gute ist das Böse sorgfältig getarnt.

Jeder hat ein Startguthaben

Dennoch geben die meisten von uns jedem, der neu auftaucht, einen Startkredit, sogar wenn sie eigentlich gar nicht begeistert von ihm sind. Es liegt dann am anderen, ob dieser Startkredit des Vertrauens und Wohlwollens wächst oder ob er sofort dahinschmilzt und sich in sein Gegenteil verwandelt.

Es gibt Lebensweisheiten für diesen Vorgang. Die Pessimisten sagen, gib überhaupt keinen Kredit. Wenn etwas Gutes da ist, kommt es von allein, und wenn nichts Gutes da ist, bleibst du von Verlust und Enttäuschung verschont. Der Optimist hingegen vergibt den Kredit gerne und zeigt sich großzügig. Wenn er enttäuscht wird, nimmt er es nicht persönlich und versteht es, Verluste wegzustecken. In der Mehrheit der Fälle aber hilft dem Optimisten eigentlich nur der Instinkt für gute Geschäfte mit Menschen. Mit seinem Positive-Thinking-Kredit bewirkt er wahre Wunder an Investitionen, die dem Pessimisten nie gelingen werden. Doch das bleiben gesegnete Ausnahmen.

Unzählige sind hingegen die Schicksale, wo ein Zuviel an Vorschussvertrauen, Arglosigkeit, Gutmütigkeit oder auch nur an blinder Liebe Menschen zurückgeworfen, zerstört, sie in das Elend oder gar in den Tod getrieben hat. Die Warnungen der Mütter und die Weisheit der Sprichwörter stimmen eben meistens.

Für ein göttliches „groß denken“ sind wir Menschen zu klein und zu verletzlich. Es wäre ein Verstoß gegen die Lebenserfahrung, wenn man einer Menschengestalt nur ob ihres Äußeren von Anbeginn an nur das Gute oder nur das Böse anhängen wollte. Es gibt eben nicht nur „gute“ Flüchtlinge, Arme oder Kranke, genauso wenig wie es nur „böse“ Reiche, Diebe oder Betrüger gibt.

Warum wir Schafe blöken

Im Zusammenhang mit dem Zustrom von illegalen Einwandern nach Europa beklagen Sie, Herr Bischof, die Verrohung der Sprache derer, die auf diesen Zustrom abweisend reagieren. Ja, die Regierenden werden mit harten Worten angegriffen. Im Netz wird es gar unflätig. Doch dahinter stecken ganz einfache Menschen, die instinktiv begreifen, dass da nichts Gutes auf sie zukommt. Sie greifen zu bösen Worten, weil sie an führender Stelle kein Gehör finden, weil sie von den Gebildeten ob ihrer Ausdrucksweise verächtlich gemacht werden und weil sie sehen, dass niemand etwas ernsthaft gegen das unternimmt, was sie als beginnendes Unheil erkennen. Wenn dann geistige Führer dazu aufrufen, Tür, Tor und Geldbeutel aufzumachen, um den Fremdlingen ein Leben auf unserem Pegelstand zu ermöglichen, dann ist die Antwort Sarkasmus pur. Anstatt Ihre Landsleute zu einer sanfteren Sprache anzuleiten, sollten Sie als Seelenhirte einer Schafherde vielmehr zu ergründen versuchen, warum ihre Schafe immer kläglicher blöken und der Hund ihrer nicht Herr wird.

 Wollen keine Bettler, Sklaven, Rauschgifthändler

Dabei ist es ganz einfach. Wir wollen keine jungen starken Afrikaner ohne Ausbildung und Papiere, die bei uns betteln gehen oder in den Tomatenfeldern der Mafia Sklavenarbeit verrichten müssen, Afrikaner, die den Drogenhandel für die Rauschsucht einer irrenden Jugend übernehmen oder die sich prostituieren. Das Beste ist, sie kommen gar nicht herein, denn die nachfolgenden Übel können wir mit Integration, Rechtsstaat und Sozialleistungen niemals ausmerzen. Für diese Art des Zuklebens von äußerster Lebenshärte fehlt ganz einfach die soziale Akzeptanz. Niemand, der hart für sein Leben arbeitet, sieht ein, warum ein wildfremder, aber kerngesunder, arbeitsfähiger und junger Mensch vom ersten Tag an Anrecht auf Gesundheits- und Sozialleistungen haben kann, für die Einheimische jahrelang arbeiten müssen. Genauso unverständlich ist es, dass Ankömmlinge sich gar nicht auf eigene Faust durchschlagen können: Sie dürfen nicht arbeiten, sie müssen in Heimen wohnen, müssen „betreut“ werden. Das macht die Einwanderer krank und noch mehr die, die zusehen müssen.

Die Herrschaft des Geldes kennt keine Moral

Dabei sind wir noch gar nicht auf den Kern der Sache gestoßen. Europa schrumpft dramatisch. Die Pensionskassen brauchen neue Einzahler, die Hausbesitzer neue Mieter, die Geschäfte neue Kunden, die Hotels neue Gäste. Woher egal. Mit welchem Geld egal. Ob ein neues Kleid mit Geld aus Sozialhilfe, aus Arbeit oder aus schmutzigen Geschäften bezahlt wird, ist dem der daran verdient, herzlich gleichgültig. Genau hier, an diesem Punkt, hat Europa, hat der Westen, seine Seele verloren, seine Ethik, seine Werte.

Solange sich hier nichts ändert und die Regierenden nur die ausführenden Diener gewissenloser Marktkräfte (nämlich von uns selbst) sind, solange ist der Populismus und seine verrohte Sprache nichts weiter als das letzte Aufbäumen der kleinen Leute gegen eine schicksalhafte, zwangsläufige Entwicklung. Und Sie, Herr Bischof, geraten in den Anschein, dieses bittere Los Europas nur versüßen zu wollen durch nette Manieren gegenüber neuen Mitkonsumenten.

Würde kann man auch verspielen oder verkaufen

Zu Ihrem dritten Gedanken, der Würde der Frau, nur wenige, einfache Fragen: Glauben Sie nicht, dass die Würde der Frau (wie die des Menschen allgemein) sich immer entscheidet mit dem, was sie denkt und was sie tut oder auch in der Art, wie sie sich benimmt? Kann eine frühreife 12jährige, die sich aufreizend kleidet und den Männern schöne Augen macht, ganz die Unschuld eines Kindes und die Tugend einer keuschen Jungfrau in Anspruch nehmen? Mit der naturgegebenen Würde (Postulat der Menschenrechte) kann man auch Schindluder treiben, ob bewusst oder getrieben ist eine andere Sache. Gehen wir vom Amateurbereich ins Gewerbe. Sicher hat auch eine Pornodarstellerin ihre Würde, nur kann sie kaum die Würde einer Heiligen für sich beanspruchen, will das wahrscheinlich auch nicht. Sie erhält ihren Lohn dafür, dass sie ihr Leben preisgibt. Oder die Huren: Längst nicht alle werden gezwungen, Liebesdienste zu verkaufen. Sie erhalten ihren Lohn und geben ihr Leben her. Die Schattenseiten – Depressionen, Geschlechtskrankheiten, Drogen, Beziehungsunfähigkeit – sie sind der Preis einer Lebenswahl. So wie jede Lebenswahl ihren Preis hat und daraufhin Würde oder Würdelosigkeit folgt. Nun zur Würde der Frau in der bürgerlichen Beziehung: Nicht selten ist heute die Ehe in den reichen Ländern des Westens zu einer besseren Form der Prostitution verkommen. Mit dem Hebel eines veralteten und einseitigen Scheidungsrechts pressen Frauen ihren Männern die Scheidung ab und leben hinkünftig auf deren Kosten. Leistung erbracht. Fragen Sie sich einmal, sehr geehrter Herr Bischof, wieviel versteckte Gewalt gegen Männer allein hier abläuft, und Sie werden Antworten zu vielen Frauen- und Kindermorden bekommen – Antworten, die in der Presse nicht neben der Meldung stehen, sehr wohl aber dem Leben zu entnehmen sind.

Georg Dekas

Bild Schafherde unterhalb der Punta u diamantu auf Korsika im Juli 2017  (c) Georg Dekas

Die
Dekas
Seite

Griasti! Des isch di Webseit von Georg Dekas