F, so kurz wie möglich

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Ein Blick zurück in die 1980er: Jörg Haider erobert die FPÖ und Österreich im Sturm. Jung, dynamisch, konservativ, aber nicht von gestern, bürgerlich, aber nicht bigott, rebellisch, aber elegant gekleidet, a Goschn, aber nicht frech, selbstbewusst national, aber nicht von oben herab – der „Jörg“ verkörpert das wieder auferstandene Österreich, seinen neuen Wohlstand und seine hommes nouveaux.

Jörg Haider (1950-2008) Bild: Ö. Parlament
Jörg Haider (1950-2008)
Bild: Ö. Parlament

Ein republikanisches Österreich, das sich nicht mehr in einer ewigen Mea-Culpa-Pose ducken mag. Seine forschen Sager wie der mit der „ordentlichen“ Arbeitsmarktpolitik im Dritten Reich hatten diesen Zweck. Aber auch den, aus der Verleugnung der Vergangenheit auszutreten und mit der eigenen Geschichte neu umgehen zu lernen. Überhaupt, das Ducken und Mauscheln, das sich hinter Fassaden verstecken und sich krümmen, da sah der „Jörg“ rot und schwarz zugleich: Haider und seine Blauen hatten dem Filz im Machtgebälk der kleinen Alpenrepublik den Kampf angesagt, das war ihre gewinnende Karte.

Ein Blick zurück in die 1990er: Den politisch aufstrebenden Jungen auf der bürgerlich-konservativen Seite in Südtirol gefiel der „Jörg“ über die Maßen. Und so gründete Christian Waldner zusammen mit Pius Leitner, Peter Paul Rainer und anderen die „Freiheitlichen“. Mit großem Erfolg, aber auch mit harten Schicksalsprüfungen. Christian Rainer wurde ermordet, die Freiheitlichen verfemt und bis an den Rand der Selbstaufgabe gedrängt.

Der besonnene Pius Leitner rettete, und zu ihm gesellte sich die resche, junge Ulli Mair. Die beiden wurden ein Erfolgsduo. Während Ulli Mair mit Sagern à la „Jörg“ die Linken und die politisch Korrekten zur Weißglut trieb und den Parteislogan „frech, frisch, freiheitlich“ echt machte, war es Pius Leitner, selbst Beamter von Beruf, der mit beharrlichem und akribischen Aktenstudium dem weiteren Slogan „Macht braucht Kontrolle“ Glaubwürdigkeit verlieh.

Die eigentliche politische Marke „F“ in Südtirol aber entstand als das Duo Leitner/Mair das Leitmotiv „Südtirol first“ erfand – lange, lange vor AfD, Donald Trump, Orban oder Salvini. Es war die erste Partei bei uns, welche die hochempfindliche Ausländerfrage ansprach. Damit wurde sie zum Liebling des einfachen Volkes (inklusive Neidhammel und Mauler) und zum Gottseibeiuns der Eliten.

Ein Blick zurück ab 2000: Mit der Landtagswahl im Oktober 2008 schafften die Freiheitlichen den Durchbruch. 5 Abgeordnete, zweistärkste deutsche Partei. Mit ihren Stimmengewinnen überholen Leitner und Mair die meisten Spitzenränge in der langjährigen Regierungspartei SVP. Beeindruckend vor allem das flutartige Anschwellen der persönlichen Vorzugsstimmen: Leitner von 11.000 auf 32.000 (+21.234), Mair von 10.000 auf 27.000 (+17.071). Vom Wählerwillen her hätte Luis Durnwalder den Pius Leitner mit in die Landesregierung nehmen müssen, das wäre jedenfalls sehr klug gewesen. So aber nahm die Geschichte ihren Lauf.

Beim nächsten Wahlgang im Oktober 2013 stehen die Freiheitlichen am Zenit. Weitere Zugewinne, 6 Abgeordnete. Rund 15.000 Stimmen und einen Abgeordneten verliert die große SVP wieder an ihre deutsche Konkurrenz – und sie verliert die Absolute.

Mit 6 F-Abgeordneten gegen 17 SVP-Abgeordnete wäre jetzt ein schnelles Umschaltspiel nötig. Gelingt der Positionswechsel von der erfolgreichen Protestpartei zu einer neuen und ebenso erfolgreichen Gestaltungspartei? Er gelingt nur in Teilen.

Das freiheitliche Dilemma kommt an jenem berühmtem Tag im März 2014 zum Punkt, als die wütende Menge auf dem Landhausplatz die Abgeordneten lautstark auffordert, herauszukommen aus dem „Hohen Haus“ und eine Erklärung abzugeben, was sie sich bei der Verabschiedung des Rentengesetzes für Landtagsabgeordnete gedacht hätten. Ulli Mair gehörte zu den Mutigen, die sich hinausgetraut haben. Sie rechtfertigte sich sinngemäß mit den Worten: „So kurz vor den Wahlen konnten wir die Bombe nicht platzen lassen“. Das brachte ihr den sofortigen Schitt-Sturm auf dem Platz und jahrelang danach in Netz und Medien ein. Ganz unabhängig von der sachlichen oder moralischen Bewertung zeigt dieser Spruch auf, wie sehr die oppositionelle und die realpolitische Seele miteinander im Streit liegen: Machtkontrolle steht gegen Machterhaltung.

Nach diesem Tag im März brechen für die Freiheitlichen wieder unfeine Zeiten an. Die Arbeit im Landesparlament, der beharrliche Aufbau der Ortsgruppen  und das Stakkato der Pressemitteilungen werden übertönt von unschönen Schlagzeilen und einem ast schon absurden Gerichtsverfahren, das letztlich Pius Leitner aus dem Landtag drängt.

Der Blick auf die Gegenwart: Dann die Ankunft eines neuen Obmannes und eines neuen „Generalsekretärs“ (was für ein bombastischer Titel) mit dem Schlachtruf „Wir rocken die Bude.“ Es herrscht Aufbruchsstimmung, denn am 15. Oktober 2017 wählt das Vaterland türkis-blau und die Freiheitliche „Schwesterpartei“ stellt mit Obmann H.C. Strache den Vizekanzler. Zusammen mit der FPÖ FPÖ_Logosind nun auch dieSüdtiroler Freiheitlichen „die soziale Heimatpartei“.

L.-Abg. Tamara Oberhofer auf der F-Homepage
L.-Abg. Tamara Oberhofer auf der F-Homepage (13. Juli 2018)

Der erste strategisch wichtige Schachzug der neuen Führung der Freiheitlichen ist es, sich bei den italienischen Parlamentswahlen am 4. März 2018 ganz herauszuhalten. Die Freiheitlichen empfehlen den Südtiroler Wählern für ihre Vertretung in Rom weiß oder ungültig zu wählen. Das verblüfft umso mehr, als in Italien erstmals lega salvinieine große Partei  das Ausländermotiv ganz oben auf ihr Schild hebt. Genau jenes Motiv, das die Freiheitlichen in Südtirol schon seit vielen Jahren als erste hatten und das ihnen den großen Erfolg gebracht hatte. Das Ergebnis ist bekannt: Die Freiheitlichen Italiens sind an der Macht, aber die Freiheitlichen Südtirols sind nicht an ihrer Seite.

Nach Monaten verhaltener Tagespolitik dann die Vorstellung der Liste für die Landtagswahlen im Oktober 2018. Vorne dran wieder Pius Leitner und Ulli Mair. Mit dieser Entscheidung sagt das neue Führungsduo Andreas Leiter Reber und Florian von Ach der Öffentlichkeit nichts anderes, als dass der Rentenskandal den beiden früheren Zugpferden nichts anhaben wird. Es ist eine ähnlich riskante Entscheidung wie die Weiß-Nummer bei der Italienwahl. Am 21. Oktober 2018 findet die Landtagswahl in Südtirol statt. Der Tag der Wahrheit, an dem sich zeigen wird, ob die Rechnung von F-Obmann Andreas Leiter Reber aufgeht oder nicht.

 

Vorzugsstimmen der freiheitlichen Spitzen

Landtagswahlen          2003                2008                2013

Pius  Leitner                  11.008              32.242            36.764

Ulli Mair                          10.429              27.500            31.175

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