Sprachglosse | Meilenstein

Stoanerne Mandlen - Bild G.J.Dekas (c) 2008
Stoanerne Mandlen - Bild G.J.Dekas (c) 2008

Landläufige Politiker wie rührige Lobbys zählen ständig neue Meilensteine. Meilensteine im Sarntal sind gar so groß wie Tunnels, will man dem Sarner Bürgermeister Franz Locher glauben, der die deutsche Sprache arg strapazierte, als er der Presse diesen tunnellangen Satz vorsetzte:

„Jahrzehnte lang war die Straße ins Sarntal eine der gefährlichsten des Landes, aber nun, genau elf Jahre nach der Eröffnung des Teilstücks Halbweg, ist mit den zwei neuen Tunnels ein weiterer Meilenstein für eine moderne Verkehrsanbindung des Sarntals, der flächenmäßig größten Gemeinde Südtirols, gewährleistet“.

Puh, das war wohl der flächenmäßig größte Satz, den ein Sarner jemals gesagt hat.

Vielleicht sollte jemand den politischen Wortschmieden einmal sagen, dass die Größe eines wörtlichen Meilensteins meist im umgekehrten Verhältnis zur Bedeutung des Geschäfts steht.

Große Geister reden nicht von Meilensteinen, kleine sehen sie überall.

Zur Wortgeschichte

Früher wurden Wegstrecken in gallischen und teutschen Landen nicht nach (römischen) Meilen, sondern nach Leugen, also Längen, angezeigt.

(Ursprung gallisch/keltisch: lieska, lat. leuga/leuca, span. legua, englisch league, französisch lieue, it. lega).

Die Leuge entspricht zwei bis drei Meilen – eine Strecke, die, über den Daumen gepeilt, ein Mensch zu Fuß in einer Stunde schafft. Die Wegstunden-Angaben auf unseren AVS-Schildern lassen grüßen.

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Dr.phil. Georg Dekas

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