Meilenstein mein

Foto: Pixabay
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In schöner, fantasieloser Wiederkehr zieht im politischen Zeitungsverkehr das Wort „Meilenstein“ an uns vorbei. Meilenstein für Meilenstein für Meilenstein.

Landläufige Politiker wie rührige Lobbys zählen ständig neue Meilensteine. Meilensteine im Sarntal sind gar so groß wie Tunnels, will man dem Sarner Bürgermeister Franz Locher glauben, der die deutsche Sprache arg strapazierte, als er der Presse diesen tunnellangen Satz vorsetzte: „Jahrzehnte lang war die Straße ins Sarntal eine der gefährlichsten des Landes, aber nun, genau elf Jahre nach der Eröffnung des Teilstücks Halbweg, ist mit den zwei neuen Tunnels ein weiterer Meilenstein für eine moderne Verkehrsanbindung des Sarntals, der flächenmäßig größten Gemeinde Südtirols, gewährleistet“. Puh, das war wohl der flächenmäßig größte Satz, den ein Sarner jemals gesagt hat.

Vielleicht sollte jemand den politischen Wortschmieden einmal sagen, dass die Größe eines wörtlichen Meilensteins meist im umgekehrten Verhältnis zur Bedeutung des Geschäfts steht. Große Geister reden nicht von Meilensteinen, kleine sehen sie überall.

Übrigens, früher wurden Wegstrecken in gallischen und teutschen Landen nicht nach Meilen, sondern nach Leugen, also Längen, angezeigt (Ursprung gallisch/keltisch: lieska, lat. leuga/leuca, span. legua, englisch league, französisch lieue, it. lega). Die Leuge entspricht grob zwei bis drei Meilen – eine Strecke, die, über den Daumen gepeilt, ein Mensch zu Fuß in einer Stunde schafft. Die Wegstunden auf unseren AVS-Schildern lassen grüßen.

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