Schöpfen und schaffen

Bild: Pixabay
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Création ist angesagt, „schöpfen“  ist außer Gebrauch. Deutsch hängt ab.

Französisch soll wieder Weltsprache werden. Création! Der französische Präsident Emmanuel Macron will die Verbreitung der französischen Sprache auf der Welt so richtig puschen. Das berichtet „Die Presse“ (20.03.2018) mit Berufung auf einen tagesfrischen Artikel im „Guardian“. Das regierungsfinanzierte Programm solle „das Lernen, die Kommunikation und das Schaffen auf Französisch fördern“ – so übertragen die Wiener die Worte: „to boost learning, communication and creation in French”. Bevor wir uns besorgt der Frage zuwenden, was denn Angela Merkel für das Deutsche zu tun gedenkt, um die Sprache Luthers und Goethes vor dem Verschwinden zu retten, nehmen wir zunächst vorlieb mit einer kleinen Sprachbetrachtung.

Den Begriff „creation“ haben die Wiener mit „Schaffen“ übersetzt. Schon klar, sie dachten dabei an die politisch korrekten Film- und Kulturschaffenden ihrer Stadt. Sollten sie aber einen Schwaben fragen, was der unter Schaffen versteht, so kommt wie der Kuckuck aus der Schwarzwalduhr heraus das berühmte ‚Schaffe, schaffe, Häusle baue‘. Fragen wir die Kanzlerin, wissen wir die Antwort ebenfalls: „Wir schaffen das!“ Kreative Politik allemal.

Spätestens da ist klar, dass Schaffen nicht die passgenaue deutsche Entsprechung des englischen „creation“ bzw. der französischen „création“ sein kann. Nehmen wir doch Maß beim Allerhöchsten. Gott hat die Welt erschaffen und den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen („Er schuf“). Das alles nennen wir die Schöpfung, denn Gott ist unendlich schöpferisch. Geschafft war er aber auch, nach sechs Tagen Schöpfen am Anfang aller Zeit. Deshalb führte er den Sonntag als Ruhetag ein.

An diesem siebten Tag betrachtete Gott sein einmaliges Kunstwerk und fand es wohlgetan. Seitdem eifern Künstler, Erfinder, Erbauer und Dichter dem Göttlichen nach schöpfen unendlich Schönes, aber auch Schreckliches aus der Ur-Schöpfung. Sie entwerfen Gedanken, sie  gestalten Bilder, sie schöpfen Tonwerke, sie erfinden Maschinen, sie bauen Kathedralen. Und Bomben. Das Deutsche hat viele Worte, die Kreatives beschreiben. Von all diesen gestalterischen und schöpferischen Tunworten bleibt allein das „Erschaffen“ dem Einen vorbehalten, denn die „Creatio ex nihilo“ – die Schöpfung aus dem Nichts, das ist Gottes Sache allein… na ja, und höchstens noch die der PR-Strategen und Notenbankleute.

Bedauerlicherweise arg aus der Mode gekommen und so gut wie unbrauchbar ist gerade jenes Wort, das im Deutschen am innigsten und göttlichsten kreatives Tun und Schaffen beschreibt: „schöpfen“. Es gibt zwar noch den Modeschöpfer, aber der stellt heutzutage seine Kreationen vor, niemals aber ‚Tuchschöpfungen‘ oder so ähnlich. Und so können die Wiener den in groß und schöpferisch denkenden Macron auch nicht so zitieren: „das Lernen, die Kommunikation und das Schöpfen“. Schade.

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