Hau die Athesia

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Es ist schon erstaunlich, mit welchem Ingrimm immer wieder auf das Verlagshaus Athesia zu Bozen eingedroschen wird.

Begonnen hatte das damals, als die „68er“ Südtirol erreichten. So wie die rebellierenden APO-Studenten in Berlin den Verleger Axel Springer und seine BILD-Zeitung als Ausgeburt des Bösen geißelten, so wollten es auch die Handvoll 68er-Revoluzzer in Bozen und Meran halten. Es bot sich das mehrheitlich im Besitz der Kurie befindliche, tiefschwarze „Tagblatt der Südtiroler“ an, die „Dolomiten“. Erste Zielscheibe damals war Schriftleiter (nicht „Chefredakteur“!) Joseph Rampold. Deutsch und wertkonservativ bis auf die Knochen, streitbar und redegewandt, zog der Heimatkundler gegen die neuen Zeiten zu Felde und brachte die linke Intelligenzija zum Schäumen vor Wut. Rampold verteidigte das ursprüngliche (Süd-)Tirol gegen Kommerz und Bauwut, er war ein Grüner, aber kein linker. Was den jungen Linken aus bürgerlichem Hause am meisten aufstieß, war, dass Rampold, seiner Lebensgeschichte folgend, die Ehre und den guten Glauben der jungen Soldaten der Wehrmacht immer wieder in Schutz nahm vor Nazi-Pauschalurteilen.

In jenen heißen Zeiten des ideologischen Krieges kam das Gerede vom „Monopol“ der Athesia auf. Eine fixe Idee, die seither immer wieder neu aufgewärmt wird. Ein Medien-Monopol im eigentlichen Sinne hat die Athesia mit ihrer Tageszeitung „Dolomiten“ als Flaggschiff keineswegs, ganz im Gegenteil. Nirgendwo auf der Welt dürfte es eine so hohe Dichte an nur erdenklichen Medien aller Gattungen geben wie in Südtirol. Es genügt, jene aus heimischer Herstellung aufzuzählen und im Gebrauch zu gewichten. Da reden wir noch gar nicht von der mächtigen Einfuhr aus dem Rest der Welt – vor allem aus deutschen und italischen Landen. Spätestens seit dem Durchbruch der digitalen Medien ist eine beinharte Konkurrenz aller gegen alle entstanden. Da geht es nicht nur um (sinkende) Werbegelder, sondern auch um hochwertige (kostentreibende) Darstellung. Vor allem geht es um das knappe Gut Aufmerksamkeit.

Auch wenn die Feinde der Athesia den Begriff „Monopol“ heillos überziehen, so hat dieser Vorwurf doch einen gewissen Nährboden. Der Nährboden ist jener ganz besondere und einzigartige Mix aus wirtschaftlicher Macht, gesetzlicher Alleinstellung, historischer Geltung und politischer Buhlschaft im ethnisch geschützten Biotop „Südtirol“. Die Blätterkonkurrenz, die Linke und einzelne Politköpfe (auch der SVP) ärgert am meisten die für andere unerreichbare Meinungsgestaltung und Meinungsführerschaft der „Dolomiten“.

Dabei hat die Athesia und mit ihr die „Dolomiten“ allmählich – und in letzter Zeit verstärkt – eine bemerkenswerte Wandlung erfahren. Seit die Gebrüder Michl und Toni Ebner die Führung von Zeitung und Verlag als Mehrheiter übernommen haben (etwa um 2006), ist das Unternehmen erfolgreich zu einem kleinen Mischkonzern ausgebaut worden. Vom alleinigen Sprachrohr der Südtiroler zu selig Kanonikus Not-Zeiten („Todesmarsch“) über die bockige Rampold-Behauptungs-Zeit ist die „Dolomiten“ unter der Regie der beiden Ebners zu einem smarten Geschäftsblatt geworden, dessen Besonderheit die geschickt in Redaktionsbeiträgen verpackte Werbung ist.

Der Toni Ebner (Jr.) ist natürlich Chefredakteur, nicht mehr Schriftleiter. Der Karikaturist vorne auf der Titelseite ist neuerdings ein Italiener und liebt, wie könnte es anders sein, die Darstellung italienischer Politik im Wettstreit mit seinen Künstlerkollegen von „Corriere“ und „Repubblica“. Die „Azzurri“ hinten im Sportteil besiegeln schließlich den Eindruck, die „Dolomiten“ des 21. Jahrhunderts sei eine italienische Zeitung, die, den Ureinwohnern in den Bergen geschuldet, lediglich auf Deutsch geschrieben ist.

Aber Nein doch! Der Staat überweist jedes Jahr eine Menge Geld in die Kassen der Athesia Druck GmbH für die Herausgabe dieser Tageszeitung auf Deutsch. Mehr als Grund genug, den römischen Freunden gewogen zu sein. Es sind die „conributi diretti all’editoria“, die seit Jahrzehnten die sichere Bank der Athesia sind und ihre Akquise-Züge rundum ermöglichen.

Apropos Akquise: der Kauf des ultranationalistischen Tagblattes „Alto Adige“ durch die Athesia dürfte nicht nur der politischen Appeasement-Vision der Athesia entsprechen, sondern auch die verborgenen staatlichen Finanzierungsquellen des Kampfblattes für die Italianità Südtirols gesichert haben.

Mit der Verflachung der ideologischen Gegensätze und mit der postmodernen Vermischung und Relativierung von Überzeugungen, Lagern und Stil sind auch ehemalige Feindbilder unscharf geworden. Vom Hass der Anti-Klerikalen auf die „Dolomiten“ ist nur mehr das Achselzucken über die vielen freundlich-salbungsvollen Worte des Bischofs darin übriggeblieben. Ein ehemaliger Rotfrontkämpfer („Lotta Continua“) wirbt heute als Bozner SVP-Vizebürgermeister aus der „Dolomiten“ heraus um die Anliegen der Bozner „Pfeffersäcke“.

Der neuen Athesia, alias Familie Ebner, sind manche Feinde dennoch treu geblieben. Athesia-Feind Nr.1 ist der Journalist, Historiker und Grünen-Gemeindepolitiker Christoph Franceschini (früher Neue Tageszeitung, jetzt salto.bz), der unverdrossen scharf und offen gegen den örtlichen Verlagsriesen schießt. Er ist der letzte Mohikaner der APO Südtirol, ein ewig gestriger seiner Art. Andere, die gleich denken, ballen die Faust lieber im Sack oder hauen aus dem Hinterhalt. Ja, unter hiesigen „Intellektuellen“ gehört es richtig zum guten Ton, sich abfällig über die Athesia und die Ebners zu äußern – natürlich nur im mündlichen Umgang untereinander und poker face nach außen.

Grob gesehen haben die Gegner oder Kritiker der Athesia in drei Schubladen Platz. Eine ganz große Schublade brauchen die Neider aller Farben, angeführt von der Konkurrenz; eine kleinere Lade die Primadonnen der Politik, die meinen, in der „Dolomiten“ nicht genug dargestellt zu werden; die kleinste Lade braucht es für die Volkstumspolitischen, denen Heiligenverehrung des politischen Status Quo der „Dolomiten“ zu weit geht.

Was immer auch gegen die Athesia und ihre „Dolomiten“ gesagt werden kann oder muss, eines bleibt von höherer Warte aus unbestritten: Eine Tageszeitung wie die „Dolomiten“ hebt das Land zusammen (ja, „hebt“, ist tirolerisch). Sie hebt es so zusammen, dass es als lebenswerte, verdienstvolle, auf alten Werten gegründete und immer noch quicklebendige Einheit wahrgenommen werden kann. In diesem Bild vom Land geht es zwar nicht ohne Sünde und Makel ab, aber das Gute überwiegt und behält die Oberhand. Konkurrenzprodukte haben es nicht geschafft, einen solchen „Wir“-Geist zu schaffen und zu halten.

Die „Alto Adige“ bedient diesbezüglich nur die Italian Community, tut dies aber hervorragend. Andere, wie die 1996 gegründete „Neue Südtiroler Tageszeitung“, vermögen zwar mit Skandalen und Skandälchen ein Gafferpublikum zu binden, bieten aber zu wenig guten „Klebestoff“ (die dort eingestreuten intellektuellen Girlanden erst recht nicht). Ironie ist, dass die Reißer aus Politik und schwarzer Chronik nicht einmal aus kommerziellem Druck heraus gemacht werden, da die NST von Staatsknete lebt (aus demselben Topf wie die „Dolomiten“).

Das neueste „kritische“ Medium „salto.bz.“ mag zwar Kompatschers Liebkind sein (die Masse an Werbeschaltungen der Landesverwaltung belegt es), aber es ist eine absolut elitäre, edelgrünrote Minderheitsveranstaltung. Das Welsch-Deutsch-Gescheckte dort mögen nicht einmal die liberaleren Südtiroler gleich welcher Muttersprache.

ffmonopolebnerVon der „ff“ ihrer Athesia reden wir nicht einmal, das sei „affinen“ Lehrern, Landesbeamten und RAI-Mitarbeitern überlassen. Das „Hau-die-Gegner-der-Athesia“ würde also auch genug Stoff bieten.

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