Hässliche Worte gegen Katalanen

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„Puigdemont ist ein verantwortungsloser Hasardeur.“ Auf rein technischer Ebene könnte man diesem Satz sogar zustimmen, wenn es darum geht, zu bewerten, ob Puigdemont im Oktober 2017 seiner eigenen Sache mehr geschadet als genutzt habe. Nicht darum geht es Richard Herzinger, Korrespondent für Politik und Gesellschaft der „WELT“, in seinem Meinungsbeitrag zu Katalonien und dessen Präsidenten. Das Stück liest sich wie ein hässliches Pamphlet Madrids gegen die gewissenlosen Schurken und Aufwiegler in Barcelona.

Madrid sei im Recht und ein Teil der Katalanen würde die Grundfesten der Europäischen Union untergraben – soweit nichts Neues an einer Meinung, die von vielen geteilt wird, auch wenn der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen gar nicht ausgemacht ist. Was verprellt, aber auch stutzig macht, das ist die Fülle an Invektiven und abwertenden Ausdrücken, die allen Pro-Spanien-Kommentaren mehr oder weniger eigen ist. Das Herzinger-Stück selbst lässt die Hass-Nadel steil nach oben schnellen. Woher alle diese vernichtenden Urteile von einem Journalisten, der 1997 ein Buch mit dem Untertitel „Ein Bekenntnis zur egoistischen Gesellschaft“ geschrieben hat? Egoismus wird den Katalanen vorgeworfen. Jetzt werden sie von einem fertig gemacht, der Egoismus toll findet?

Noch mehr staunt man über die historische Parallele, die sich bei Herzinger auftut. Ein Deutscher wettert in „Stürmer“-Manier Der Stürmergegen die Republikaner Kataloniens – so, als würden wir das Jahr 1936 schreiben. Wieder geht es um die „Wahrheit“ und die „Ordnung“, die herrschen soll.

Die „Ordnung“, das war letztlich die Triebfeder der Faschismen in Italien, Deutschland, Frankreich und Spanien damals. Kampf gegen die jüdische und kommunistische „Zersetzung“, wie Leute früher schrieben. Wie es scheint, wechseln in der Geschichte zwar die politischen Etiketten, aber nicht die tieferen Verbindungen oder die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern und Völkern.

Bild: „Guernica“ von Pablo Picasso (1937)

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