Lananer Zeitungsgeschichten

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Folge 1 – Der Frühling der Blattmacher

Wir sind in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Südtirol explodiert förmlich vor Wachstum und Optimismus. Es sprießt und gedeiht an allen Ecken und Enden. Die Gästewirtschaft steht im Vollertrag, frühere Bauernhöfe verwandeln sich in Hotelkolosse, die Apfelbauern machen steuerfreie Millionengewinne. Die Landesverwaltung beginnt, richtig Fahrt aufzunehmen. Grund dafür ist der Abschluss des 2. Autonomiestatuts 1972. Jetzt kommen die deutschen und ladinischen Südtiroler endlich zu Beamtenstellen (die vorher nur Italienern vorbehalten waren). Der Wohlstand kommt damit auch zu den nichtbesitzenden Schichten am Land.

Am wichtigsten aber war,  dass der Staat ab 1975 für das Unruhegebiet Südtirol eine günstige Regelung vorsah: 90% der erwirtschafteten Steuergelder durften im Land bleiben, nur 10% mussten an Rom abgeführt werden. Dieses sollte später die Grundlage für den Reichtum der Ära Durnwalder werden.

Es brummte also überall. Auch im Äther und im Blätterwald. Schon zu Beginn der 1970er Jahre hatten sich Piratensender in ganz Italien die etlichen ungenutzten Wellen in der Rundfunkbandbreite angeeignet und begannen drauflos zu senden. In Südtirol wurde die FSW (Freie Welle Südtirol) im Radio zu einer Legende, bald darauf und nicht weniger Legende der „Naturnser Sender“ TVS (Television Südtirol). Das erste Mal in der Geschichte tönte der eigene Dialekt und die bekannten und vertrauten Gesichter und Stimmen aus den Empfangsgeräten, die bislang nur zwei Staatskanäle übertragen durften. Die Sender scheffelten Werbung und bei den Quizspielen brachen die Telefonleitungen zusammen.

Das alles gab dem Südtirolbewusstsein einen mächtigen Auftrieb. i bin a südtiroler (1)In dieser Zeit gab es auf den Autos massenhaft Aufkleber mit der vorgeschriebenen Nationenkennzeichnung I auf weißem, ovalem Grund, die das I mit „I bin a Südtiroler“ ergänzt hatten. Vor diesem Hintergrund bekamen auch die Dorfblätter ihren Frühling.

Franz Heel war auf seine Weise ein Genie. Frühreif, wuchtig, schlau. In der Pfarrei Lana hatte er als 16jähriger die „Pfadfinder“ erfunden und zu einer Jugendgruppe aufgebaut, die der guten alten Jungschar ordentlich Konkurrenz machte. 1980 hatte Franz Heel Lana schon mit seiner „Lanensia“ erobert. Ein richtiges Magazin, dick, bunt und flott wie sein Macher. Ein durchschlagender Erfolg.

Franz Heel sah die Lücke und wollte mehr. Nicht genug mit Lanensia, machte sich Heel zum Zeitungsverleger überhaupt. Er gründete das „s’Rittner Bötl“ und hatte bald auch eine Bezirkszeitschrift für Meran und Land im Sinn, den „Burggräfler“. Etwa gleichzeitig mischte ein weiteres deutsches Lokalblatt die Szene auf. Der junge Sextner Bäckersohn Michael Wachtler hatte mit der „WAS“ eine Postwurfzeitung mit kostenlosen Kleinanzeigen lanciert. Auch die wurde ein Riesenerfolg.

Nicht nur der Kommerz blühte. In Schlanders gründete 1976 ein Hans Wielander die Kulturzeitschrift Arunda. Sie war der kreative Gegenentwurf zu dem etwas altertümelnden Volks- und Heimatkunde-Magazin „Der Schlern“, verlegt von der den Südtiroler Zeitungsmarkt beherrschenden Athesia. Die Arunda setzte neue intellektuelle und ästhetische Maßstäbe in der Beschäftigung mit Heimat, Ursprung und der Liebe zu beiden, mit kritischem Blick und mit großzügiger Farbfotografie (das war neu).

In diesem Gewächshaus-Klima begannen dann 1979 auch die „Maulaufer“ in Lana. „Ich weiß noch gut, wie Norbert Dall’Ò, in der Zeit mein Wiener Studienkollege aus Lana, mir beim Kaffee Walther an der Vigiljocher Seilbahn entgegen kam mit einem Stoß Zeitungen unterm Arm, selbstverständlich aus grauem Recycling-Papier und Ton in Ton mit dem eng ansitzenden, selbstgestrickten „Sarner“, den er selbst standesgerecht alternativ trug. maulauf_kopf„Hier“, sagte er, „willst du ein ‚Maulauf‘?“ “Damals machte ich das erste Mal Bekanntschaft mit einer Dorfzeitung, die in ihrer Art einzigartig war und deren Würdigung noch aussteht“, erzählt Georg Dekas.

Fortsetzung folgt.

Die
Dekas
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Griasti! Des isch di Webseit von Georg Dekas