Mehr Wirte braucht es, nicht mehr Wirtschaft

Eine Wirtschaft ist auf gut bairisch ein Wirtshaus. In Südtirol sagte man Gasthaus dazu, bevor alles Restaurant wurde. Ein Hotelier aus dem Salzburger Land hat im ORF1 begründet, warum sein Haus ein Wirtshaus sei und kein Gasthaus. Er sagte, wenn bei ihm ein Gast einkehre, dann soll der die Gewähr und das Gefühl haben, dass der Wirt für ihn sorgt, ihn gut bewirtet und für das einsteht, was das Haus bietet. Mit gewissen Vorzügen und mit klaren Grenzen. In einem Gasthaus hingegen bestimme der Wirt nichts und der Gast alles. Deswegen würden immer mehr Gasthäuser zu Würstl- oder Pizzabuden hinter festen Mauern.

Die gescheite Überzeugung des Salzburger Gastwirts ist eine mahnende Vorlage für das Bild, das die Gästewirtschaft („Tourismus“) heute in Südtirol bietet. Dieses Land ist groß geworden als Wirtsland im besten Sinn. Ehrliches, preiswertes und begrenztes Angebot, natürliche Übereinstimmung von Innen und Außen, von Sein und Schein, von Leistung und Preis. Die Gäste waren froh und waren über Jahrzehnte sehr viele, sehr brav und sehr zufrieden. Darüber ist den Wirten und anderen Einheimischen der Kamm geschwollen. Die Wirtschaft mit den Gästen hat heute in Südtirol einen Beigeschmack von Nimmersatt.

Da drängen sich Bozner Kaufleute auf, die mit allen Winkelzügen der Raumordnung Neuankömmlinge wie Benko verhindern wollen. Hoteliers, die Privatzimmervermieter und Campingplätze mit allen politischen Hebeln bekämpfen. Bezahlte Funktionäre, die öffentlich meinen, Südtirol sei zu billig für den Gast. Bauern, die meinen, sie könnten Hagelnetze haben und Urlaub am Bauernhof und obendrein die hausgemachte Marmelade für 6 Euro das Glas verkaufen. Meraner, die sich von der Invasion der „Sentas“ zu Weihnachten angeregt fühlen, beim Wettbewerb zur „italienischen Kulturhauptstadt“ mitzumachen. Der öffentliche Jargon, in dem nur noch von „Touristen“ und „Tourismus“ gesprochen wird. Eine Redeweise, die verrät, dass die alte Gastfreundschaft ausgezogen und die professionell freundliche, aber seelenlose Freizeitindustrie eingezogen ist im Land.

Es bräuchte wieder mehr eigenständige und unverwechselbare und Wirte und weniger Allerwelts-Wirtschaft. Vom Marketing bis zur Küche, von den Bauten bis zu den Wanderwegen.

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