Das alte Gemeindeblatt für Lana

gblatt lana 1923 Kopf

1919 gegründet, haben wir die Ausgabe der zweiten Märzwoche von 1923 vor uns. Woche für Woche lässt der „Gemeindevorsteher“ Ernst Zuegg über die Vorhaben und Beschlüsse der Verwaltung berichten. (Das Amt des Bürgermeisters war in der Zeit des  Faschismus abgeschafft – es gab einen „podestà“ und der hatte in Lana offensichtlich einen einheimischen Prokuristen).

In dieser Ausgabe wird ausführlichst die Anschaffung einer Motorspritze für die Feuerwehr in Oberlana beschrieben, begründet und verkündet. Auf Seite 2 beginnen unter dem Titel „Verlautbarung“ die römisch nummerierten, insgesamt 13 „Kundmachungen“. Den meisten Raum nimmt Kundmachung VII. ein „für die Einberufung der im Jahr 1903 geborenen Rekruten. Da hat sich jemand die Mühe gemacht, einen Auszug, aber immerhin 25 Artikel des italienischen Gesetzes ins Deutsche zu übersetzen. Am Ende heißt es: „Jene, die sich nicht einfinden, können von den kgl. Karabinieri zu diesem Kommando gebracht werden – wenn sie mehr als 5 Tage zu spät kommen – als Deserteure erklärt.“

Die nachfolgende Kundmachung Nr. VIII ist dann wieder friedlich und sehr heimelig-österreichisch. Unter dem Titel „Platzkonzert“ wird das Spielen der Bürgerkapelle am Griesplatz in Oberlana angekündigt mit Werken wie „Der wilde Graf“, Ouvertüre von Holzinger oder „Fürs Herz und Gemüt“, Potpourri von Gleisner. Unterzeichnet ist die kurze Meldung mit „Das Komitee“.

Das „Gemeindeblatt für Lana und Tscherms“ schließt mit Werbung ab (fast zwei Seiten). Das lautete damals so: „Zum Bezuge von SANDALEN … empfiehlt sich Josef Knoll, Lana Schuh- und Lederhandlung.“ Das Geschäft gibt es noch heute, genauso wie das Platzkonzert der Bürgerkapelle. Aus den königlichen Karabinieri sind Carabinieri geworden, und die faschistischen Machthaber – von denen man im 1923-er Blattl fast gar nichts merkt (die Ortsnamen und Vornamen sind alle schön deutsch) – die haben sich längst in Demokraten verwandelt.

Das Blatt besteht aus 2 Bögen (8 Seiten). Seitenmaß 28,5 cm in der Länge, 21,0 cm in der Breite, gedruckt von S. Pötzelberger, Meran. Herausgeber: Gemeinde Lana. Verantwortl.: J. Ennemoser. Der Jahresbezugspreis samt Zustellung betrug 14 Lire, und die Herren Werbekunden bezahlten „20 Centesimi pro mm von Linie zu Linie für die 77 Millimeter breite Zeile“. Also, diese Wochenzeitung hat sich gut getragen.

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