Prostituierte oder Hure?

Das politisch Korrekte und seine Fallen

Der Grundgedanke des politisch Korrekten ist Respekt. Das ist lobenswert. Doch Fallen gibt es genug. Ein schöneres, unbelastetes und wertfreieres Wort behebt noch keine Missstände. Eine politisch korrekte Bezeichnung kann als beschönigendes Hüllwort mithelfen, unangenehme Wahrheiten zu verschleiern. Umgekehrt werden mit dem bewussten Einsatz von politisch korrekter Sprache Machtkämpfe ausgetragen und gewonnen.

Die deutsche Sprache ist bekannt für ihre handfesten, klaren Worte. Das ist nicht zuletzt auch Martin Luther zu verdanken, der die Sprache des Volkes auf die Höhe der Schrift hub. (Im Luther-Jahr 2017 ist seine Reformation 500 Jahre jung). „Ich habe neulich zu Hofe eine harte, scharfe Predigt gethan wider das Saufen; aber es hilft nicht.“ Dieser Spruch von Luther trifft wohl auch auf das Politisch Korrekte zu. Es hilft nicht. Prostituierte statt Hure, Mensch mit Migrationshintergrund statt Einwanderer, Reinigungskraft statt Putzfrau, Mensch mit anderen Fähigkeiten statt Behinderter, Konsum von Alkohol statt Saufen, unregelmäßige Abstände statt Verspätung – die Reihe ließe sich beliebig lang fortsetzen – alle diese meist umständlichen Ersatzbezeichnungen wollen das Abschätzige, wenig Geachtete aufwerten – und ja, auch Fehlverhalten verhüllen. Im Hintergrund schwebt der Glaube, dass Wörter neue und bessere Wirklichkeiten schaffen können.

Die „Innen“

Eines der größten und erfolgreichsten Unternehmungen der politischen Korrektheit ist die Gendersprache. Die Feministen haben es mit Hilfe der gewählt werden wollenden Politiker geschafft, ihren Platz an der Sprachsonne zu erobern, und zwar in der allerersten Reihe. Auf Ö1 zum Beispiel, dem gehobenen Staatsfunk für die Bildungselite, sprechen die Moderatoren und Moderatorinnen konsequent und immer von Zuhörern und Zuhörerinnen oder von Musikern und Musikerinnen, selbst dann, wenn keine Musikerinnen im Spiel sind. Es ist eine Qual für Ohr und Gemüt. Es sollte das Weibliche sichtbar gemacht werden, sagen die Feministen, und ja, ihr könnt es gerne einfacher haben. Wir sagen alle nur mehr Musikerinnen und meinen die Männer mit. So schnell kann aus Respekt Usurpation werden.

Die Scham

Ein anderer Grund für politische Korrektheit ist die Scham. Klassischer Fall: Neger. Die Weißen schämen sich für ihre Sklavenraubzüge in Afrika, die weißen Amerikaner für die Jahrhunderte der Ausbeutung ebendieser Sklaven, und so wird der „Negro“, auf Spanisch/Portugiesisch einfach der „Schwarze“, zum politischen Unwort. Gerade in den USA ist das politisch korrekte Ersatzwort „Afroamerikaner“ aber nicht besser. Wessen Vorfahren seit 400 Jahren in den Vereinigten Staaten zuhause sind, der hätte das Recht, einfach Amerikaner genannt zu werden ohne Ansehen seiner Hautfarbe. Dass den Schwarzen trotzdem noch die Kontinentalherkunft angeschrieben steht, ist leider eine Fortsetzung der Diskriminierung mit anderen Mitteln. Also gegen den alten Adam zu predigen hilft wirklich nicht viel.

Die neue Prüderie

Eine Zeit, die keine Schamgrenzen mehr kennt, was die leiblichen und geistigen Dinge betrifft, hat sich im Politisch Korrekten ihre letzten Tabuzonen geschaffen. Wer ein offenes Wort wagt, wird schnell zum Geächteten. Da sind wir weit weg vom Respekt und mitten drin in der Heuchelei. Oder im Selbstbetrug, in der Lebenslüge. Beispiel: Hinter schönen Worten wie „Flüchtling“ verstecken sich oft brennende politische Fragen, für deren Lösung es besser wäre, wir würden die Dinge bei ihrem nackten und oft auch groben Namen nennen. So wie das der teutsche Luther vorgemacht hat.

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