Herz Jesu

Herz jesu 2017_Ifinger

Am Morgen des 25. Juno 2017 gibt es Starkregen und damit keine Herz-Jesu-Prozession in Lana. Aber der Ort ist schön und stark beflaggt. Am Abend würden wieder, wie jedes Jahr, die Bergfeuer auflodern, entlang der Gipfel von Ziel, Mut und Ifinger rings um das Stammschloss der Tiroler.

Gegen Mittag klart es auf. Alter Freund am Telefon: „An unserem Nationalfeiertag müssen wir erst recht eine Weisswurst essen gehen, wie nach jeder Prozession, gell?“ Ja, und bald saßen wir im Kiesgarten des Forsterbräu unter Roßkastanien, blickten unter röhrendem Motorrad-Lärm auf die kleine barocke Kirche Maria Trost hinüber und redeten bei einem Krügel gemischten Bier über die Zukunft Südtirols.

Barock wie das Kirchlein gegenüber ist auch der Brauch des Herzen Jesu, dessen gläubige Verehrung im 17. Jahrhundert in Frankreich erfunden wurde. Ausgerechnet als es gegen die Franzosen ging, gelobten die Tiroler dem Herzen Jesu – es war in Bozen im Jahr 1796 – ewig währende Treue, wenn es sie vom Joch der Feinde befreien würde. Mit göttlich-herzlicher Hilfe haben dann Andreas Hofer und seine Freunde die stolzen Bayern und übermütigen Franzmänner aus dem Land gejagt. Vergeblich, wie wir wissen, denn der Habsburg-Kaiser hatte sich inzwischen mit dem Bonaparte-Kaiser arrangiert, aber für die Freiheit der Völker Europas hatte der Tirolersturm die Wirkung eines Tornados.

So haben uns schon die damaligen Ereignisse weit über die fromme Verehrung des Herzen Jesu im stillen Gebet hinausgeführt. Noch „politischer“ wurde die Sache rund 150 Jahre später. In der Herz-Jesu-Nacht von 1961 flogen entlang der Bozner Berghänge reihum riesige Strommasten in die Luft. Mit den Sprengungen wurde der von den Faschisten erbauten und von Nachkriegsitalien noch einmal potenzierten italienischen „Zona Industriale“ der Saft abgedreht. Diese als „Feuernacht“ in die Geschichte Tirols eingegangene Tat gegen die nationalistische Assimilierungspolitik der neuen Herren Südtirols war unser zweites großes politisches Rendezvous mit dem Herzen Jesu.

Es ist also nicht so, wie der linksliberale Kolumnist eines kleinen Bozner Tagblattes sagt: Herz Jesu? Auch die Italiener verehrten es, es gehörte allen, was bildeten sich gewisse Südtiroler ein, es politisch in Beschlag zu nehmen? Nun, die Antwort ist ganz einfach: Nirgend anderswo in der katholischen Welt ist die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu je mit so einschneidenden, so entscheidenden Befreiungskämpfen und Schicksalsstunden verbunden gewesen wie in Tirol, ach, was sag ich, in Südtirol, ach, genaugenommen in Bozen – beidemale!

Da darf es kein scheinheiliges Wundern geben, warum das blutende Herz mit der Dornenkrone drumherum und dem heilsversprechenden Kreuz aus einer Mitte ein Zeichen ist, das wir Tiroler besonders und innig spüren. Mein alter Freund hat Recht: Herz-Jesu-Sonntag ist Tiroler Nationalfeiertag: In ew’ger Treue!

Foto Georg Dekas (Verwackelt wie jedes Jahr) – Der Ifinger in Flammen zu Ehren des Herzen Jesu und der Freiheit Tirols

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