Sonntagsruh aus dem Eff-Eff

Die Südtiroler Salon-Linke hat die Sonntagsruh‘ entdeckt. Nicht aus religiösen Gründen, aber mit religiösem Gehabe. Da geht es um Konsum (Teufel), unterdrückte Angestellte (arme Seelen), Umweltverschmutzer (Sünder), Aufruf zum Konsumverzicht (Buße) und die Erwartung einer „Entschleunigung“ (Himmelreich). Die Ersatzreligion hinkt mehrfach.

Das Südtiroler Wochenblatt „ff“ gefällt sich in der Rolle als Salon der guten Gesellschaft Südtirols. Ein Salon, dessen rot-grüne Tapeten freilich stark ins Auge schlagen. Ein Beispiel dafür ist der Leitartikel „Der verkaufte Sonntag“ (von Georg Mair, ff 18 / 2017, 4. Mai 2017) In dem überfrachteten Beitrag geht es um die Rettung des Sonntags. Schauen wir genauer hin, warum und wie.

ff-Meinung 1
„Überall dort, wo Rechte der Arbeitnehmer aufgeweicht wurden, waren Sozialdemokraten an der Regierung: Schröder in Deutschland, Blair in Großbritannien oder Renzi in Italien.“

Wörtlich genommen heißt das „nur dort, wo…“. Da lässt aber Maggie Thatcher grüßen! Gegenfrage: Was machen Arbeiter mit ihren verbrieften „Rechten“, wenn sie dafür keine Arbeit bekommen (wie in Italiens Süden)? Die pragmatische Sozialdemokratie, vor allem die des Nordens, hat längst überfällige und eh nur geringstmögliche Ausbesserungen am Weg  zur vollkommenen Wohlfahrt machen müssen, damit der rote Karren nicht ganz  im Schlamm stecken bleibt.

ff-Meinung 2
„Nirgends in Europa gibt es zum Beispiel so viele Formen von prekären Arbeitsverträgen wie in Italien – geholfen hat es der Wirtschaft wenig.“

Der befristete Vertrag ist ein Notbehelf der Unternehmen, um nicht am berüchtigten Artikel 18 zu zerschellen. „Nix gut“ für beide Seiten. Mit einem fairen Gesetz würden die Festanstellungen wieder steigen, aber dafür müsste man man die Macht der Kommunisten brechen. Trotz Lega und Grillo nicht in Sicht.

ff-Meinung 3
„Die Sonntagsöffnung begünstigt die großen Textilketten, Lebensmittelmärkte und Einkaufscenter. Die Kleinen trocknen aus – deren Angestellte müssten ja sieben Tage in der Woche im Geschäft stehen.“ „Das hat beträchtliche wirtschaftliche und soziale Sprengkraft.“

Dagegen ist wenig auszurichten. Die Vorteile der „grande distribuzione“, wie das die Italiener treffend nennen, sind einfach unschlagbar – allein schon von Montag bis Samstag. Das ist  Fortschritt, ganz objektiv. Die Kleinen müssen sich Neues suchen und sie tun es. Sprengkraft gibt’s da schon, aber mehr positive als negative. Außer in Südtirol, wo der erfolgreiche Protektionismus der Kaufleutelobby wundersame und letztlich giftige Blüten treibt.

ff-Meinung 4
„Handelsangestellte haben kein Familienleben mehr, der offene Sonntag spaltet die Familien.“
Freie Behauptung. Der ruhende Sonntag dürfte nicht weniger Familien „spalten“. Denn Streit gibt’s nachgewiesen und auch logisch mehr im Urlaub und an freien Tagen.

ff-Meinung 5
Es sei eine Minderung der Lebensqualität, „wenn es nicht einmal am Sonntag eine Entschleunigung gibt.“

Stimmt. Sonntagsruhe ist ein zutiefst konservativer Wert. Steht schon in den Zehn Geboten.

ff-Meinung 6
„Der Neoliberalismus hat sich ja schon längst als Trugbild erwiesen.“

Trugbilder entstehen bekanntlich aus der eigenen Sichtweise. Was ist das Wort „Neoliberalismus“ mehr als ein unklarer Streitbegriff? Alles ist „neoliberal“, was nicht kuschelig sozial, planwirtschaftlich organisiert, gutmenschlich-grün oder einfach nur unbequem ist. Die österreichische Schule des Liberalismus studieren!

ff-Aufforderung 1
Matteo Renzi sollte, wenn wieder Ministerpräsident, „seine neoliberalen Anwandlungen „verschrotten“, sonst wird womöglich die Lega die neue Arbeiterpartei wie in Frankreich der „Front National“ oder die FPÖ in Österreich.“

Erstens ist Renzi noch längst nicht gewählt und zweitens ist bei den Italienern ist die Sonntagsöffnung populär.

ff-Aufforderung 2
„Dass es auch anders geht, zeigen der Nachbar Tirol oder auch Bayern. Dort gibt es an Sonn- und Feiertagen keine offenen Läden, in Bayern auch nicht an den Sonntagen vor Weihnachten, Die konservative CSU schützt die Arbeitnehmer. Das heißt: Man muss Forderungen der EU (…) nicht willfährig nachkommen.“

Diese Adresse an die Landesregierung übersieht, dass der Freistaat Bayern das Glück hat, einer föderalen Republik anzugehören: Bayern kann, Südtirol darf nicht, kann allenfalls tricksen. Italien ist wieder einmal mehr die Bleikugel an unserem Bein.

ff-Aufforderung 3
„Es liegt an uns, den Konsumenten, dafür zu sorgen, dass an Sonn- und Feiertagen die Läden wieder zu sind. Wir würden damit uns und den gut fünf Millionen Menschen im Handel etwas Gutes tun.“ – „Längere Öffnungszeiten bringen mehr Verkehr, wer am Sonntag bei der Fahrt zum Einkaufszentrum die Straßen verstopft, verschmutzt die Umwelt.“

Diese Adresse ist vergeblich: Appelle an das Gute und Vorwürfe à la Schmutzfinken hallen in einer „freien“ Gesellschaft ins Leere, wie immer. So verstopfen halt die Freizeit-Massen die Straßen, das ist auch nicht besser.

Mit einem Wort: Der Sonntag ist längst schon „verkauft“. Stichwort Internethandel, Vergnügungs-, Sport- und Freizeitindustrie. Offene Läden sind im Vergleich dazu nichts.

 

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