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Do sitzn de do, de do ollaweil do sitzn – wenn es eines weiteren Beweises bedürfte, dass unsere Burggräfler Mundart eine Herzensschwester der bayerischen Sprache ist, dann kommt er hier zuweg. Ein eigenwilliger und augenzwinkernder, mit einem Wort, ein bairischer Spruch, der den Stammtisch im Wirtshaus anzeigt. Neugierig darauf, was unsere Volkssprache noch zu bieten hat, begeben wir uns in das Weltnetz der … Sprüche und finden dort noch viele köstliche Wortwebereien. 

Es ist eine mords Hetz, in der Spruchsammlung der Boarischen Wikipedia zu strialn. Der Artikl is im Dialekt Obaboarisch gschrim worn“, klären uns die bayerischen Wikipedianer auf. Und sie haben Riesenerfolg damit. Die boarische Wikipedia hat Millionen Zugriffe. Begrüßt wird man auf der „Hoamseitn“ so: „Griass di! Servus! Hawedere! In da Bayrisch-Östareichischn Wikipedia!
Des is de Wikipedia in Boarischa Sproch (Austro-Bavarian language, Bairische Sprache) und in de boarischn Dialekt in  Bayern (Bayerisch),  Österreich (Österreichisch),  Südtirol etc. Es gibt do scho 10.660 Artike und iba 1,4 Mio Klicks (Webhits) Monat fia Monad.“

Bairische Schmankerln

Man sieht, wir Südtiroler sind mit dabei. Das ist auch gut so, und nur eine eigne (Süd-)Tiroler Wikipedia wäre noch schöner. Schön, eigensinnig, recht frech, abgrundtief weise  und oft schon vertraut sind die Sprüche, die uns die boarische Spruchsammlung im weltweiten Netz bietet. Hier eine kleine Auswahl mit den originalen Erklärungen:

s bressiad wia d’Sau !!

[Es ist brandeilig!]

Rachsd – schdiabsd. Rachsd ned – schdiabsd aa

[Philosophia perennis bavariae, bez. die Tatsache, dass jeder, auch Nichtraucher, sterben wird]

Ea gang gean af de Kampenwand, wann ea mid seina Wampen kannt

[typ. bayr. Schüttelreim, hier in der Bedeutung, dass jemand aufgrund seines Übergewichtes lieber in Hohenaschau beim Wirt bleibt]

Eabsn, Bohna, Linsn lossn’s Oaschal grinsn.

[Bezieht sich auf die rektale Entgasungscharakteristik von Speisen mit Hülsenfrüchten. Mehr dazu unter „Schoass …“ et al. bei Boarische Fluachsammlung]

Megln vecht i scho, oba i glang ma ned hidraun

[typ. bayr. Anagramm, dient der momentanen Verschleierung, hier: eines erotischen Wunsches]

Megn dad i scho woin, oba deafa hob i ma ned draud.

[Ich würde schon wollen, aber …]

Zwoamoi schiaf is aa grod!

[Boarische Coolness: Fehler heben sich manchmal gegenseitig auf. WTF!]

Do legst di nieda!

[Ausdruck der Verwunderung, Verblüffung.]

Liaba schlecht gfoan, ois guad ganga!

[Boarische Effizienz: Lieber schlecht gefahren, als gut zu Fuß gegangen.]

A Sau bleibt a Sau, aa wannsd ira a seindans Hemad oziagst!

[Boarische Psychologie: Charakterkunde.]

Red ma ned driwa, sauf ma oan drauf!

[Boarische Verhandlungstechnik: Meta-Dialektik für Fortgeschrittene]

Des gähd af koa Kuahaut ned!

[Im Mittelalter hat man geglaubt, dass die Sünden von Menschen von den Engeln auf eine Kuhhaut geschrieben würden. Wenn jemand soviele Sünden hatte, die nicht einmal auf eine Kuhhaut passten, dann war das nicht zu fassen.]

Duads wos megts! Mochds wos woits!

„Jedem das Seine“ af Boarisch. Boarische Toleranz.

Es is a Kreiz af dera Wäid, da oane hod in Beidl da andre es Gäid!

Soziale Ungrechtigkeid in da Vateilung vo Guad und Gäid. [Sozialkritik auf Bairisch.]

In da Mittn keman de Leit zamm!

Konsens af boarische Oart.

Oa Scheidl aloa brennd ned!

Zum Streidn brauchts zwoa. Oba a bein Fremdgeh.

Fremdgehen müssen wir nicht bei diesen Sprüchen, viele sind in einer etwas anderen Lautung genauso bei uns daheim. Jetzt eine kleine Kostprobe von den bekanntesten bayerischen Sprüchen, von denen der hier wohl am originellsten ist, wenn man den Hintergrund kennt:

De Woch fangt scho guat o

Legendära Spruch vum Mathias Kneißl bei da Vakindung vo seim Doudesurtei (wos an am Monda wor); Beispui fia boarischn Goignhumor.

Ja, und so kann es gut weitergehen, etwa mit „Do legst di nida“ oder Des is ghupft wia gsprunga“, oder passend zur immer rarer werdenden Geselligkeit in Buschenschänken und Wirtshäusern: „Hau di hera, samma meara“. Dazu gibt’s auch eine Spezialeinlage für die italienischen Gäste beim Oktoberfest, die genauso beim Törggelen passt: „Buona sera, hau di hera, samma meara.“ Und weil wir schon beim sitzen sind, darf auch dieser bekannte Spruch nicht fehlen: „Ma ko mid oan Hintern ned af zwoa Houzoatn sitzn.“ Im Standarddeitschn hoaßts oft tanzn, owa sitzn ergibd meara Sinn, merken die Bayern-Wikis zu recht an.

Seinihanserisch, urige Tiroler-Wortkost

Dass mit dem Oberbayrischen die Sprüchewelt der Alpen noch lange nicht ausgereizt ist, das zeigt uns der Museumsverein von St. Johann in Tirol. In sieben Jahren haben wurden über 5.000 Mundartwörter zusammengetragen und dazu auch etliche Reime, Lieder und Sprüche. Zu lesen auf der Seite sainihanserisch.at. Bitte nicht lang grübeln, was das bedeutet. Sankt Johann – Saint Hans – Seinihans – seinihanserisch. Hier haben die Sainihanserischen mit einer originalen Schriftsetzung viel zusammengetragen, was auch bei uns heimisch ist. Aber es gibt dort auch Sprüche, die ganz eigen sind. Das liest sich dann so:

An jedn Låppn gfôit seì Kåppn – und mia gfôit meì Huat.
Übersetzung: Jedem Idioten gefällt seine Mütze – und mir gefällt mein Hut. Erklärung, auch wenn manchen Leuten gewisse Dinge an einem nicht gefallen, selber hat man schon Freude damit.

Vu da siaßn Seit und vu dè hintan Roßhaxn muaß ma si hiatn.
Hüte dich vor Menschen, die überfreundlich sind und vor den Hinterbeinen der Pferde.

An glåssna Pfuschz bring ma nimma zrugg. 

Einen gelassenen Furz bringt man nicht mehr zurück. Was einmal gesagt ist, kann man nicht mehr zurück nehmen.

Wénn da Beedla auf’s Roß kimmb, nåcha reitt‘ er si z’tôud. 

Wenn ein Bettler auf ein Pferd kommt, dann reitet er sich zu Tode.

Sénd d’Oar wieda gscheida wia d’Hééna. 

Sind die Eier wieder einmal gescheiter als die Hühner. Das sagt man zu vorlauten Kindern.

Und zum Abschluss dieser boarisch-tirolerischen Sprücherunde noch eine Lebensweisheit aus St. Johann, die es in sich hat:

Bein Arwéttn långsåm, bein Essn schnöi, bein Bettn schlôffn, dés wààn dè gsindèstn Leit!
Beim Arbeiten langsam, beim Essen schnell, beim Beten schlafen, das sind die gesündesten Leute.

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Dieses Stück habe ich seinerzeit für die Burggräfler Zeitung „BAZ“ geschrieben.

 

 

 

 

 

 

 

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