Relativ

Der Schlager unter den Gewohnheitswörtern ist „relativ“. Das ist relativ einfach. Das ist relativ neu. Das ist relativ soundso. Eine herrlich pflegeleichte Füllung von Gedankenlöchern! Das „relativ“ adelt nun auch wirklich die schlichtesten Aussagen und ist deshalb bei Halbgebildeten besonders häufig anzutreffen.

Tückisch nur, dass das Wörtchen „relativ“ nicht bei den relativ Gebildeten hängen bleibt, sondern sich relativ überall einnistet. Ja, das sind die allgegenwärtigen und hartnäckigen Keime der Sprache!

Machen wir ein Teuto draus. Der wirkt wie eine Sperre, die am Ende unseren Redefluss lenkt und zur Offenlegung zwingt. Was bietet sich an? “Verhältnismäßig“ oder „im Verhältnis“ wäre richtig, aber zu lang. „Eher“: das ist kurz und für das umgangssprachliche „relativ“ genau richtig!

Jetzt können wir den Kern des lateinischen Begriffs dort lassen, wo er hingehört und gut aufgehoben ist: Beim Relativismus oder bei der Relativitätstheorie. Gemeint ist, dass die Wahrnehmung und Deutung allen Geschehens vom Stand des Betrachters abhängt oder dass ein und dieselbe Sache einmal so und einmal anders, aber immer sie selbst ist.

 

 

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