Zwider und Znicht

Radierung von Paul Flora
"Vogelhändler"
Radierung von Paul Flora "Vogelhändler"

Zwider, wie beispielsweise „a zwiderer Zoch“. Steigerung wäre „a znichter Zoch“. Ist die vinschgerisch/tirolische Ausprägung des deutschen „zuwider“, hier in Verbindung mit dem Mann. Zoch bedeutet Mann. Das Wort kommt von ziehen. Der Mann wurde wohl als menschliches Zugtier begriffen. Zwider ist der Mann, wenn er seine Zugarbeit widerwillig verrichtet, einer der murrt, der Zustimmung und Vorhaben verweigert, der ständig sagt, warum etwas nicht gehen werde und warum es nicht gut sei. Dem Zwidern läuft alles zuwider. Mit diesem Nörgler, fast schon Meuterer, ist zusammenarbeiten eine Strafe und kostet die doppelte Anstrengung. Also läuft er auch dem Guten zuwider. „Znicht“, das ist „böse“, wird der Zwidere, wenn er die Anstrengungen anderer zunichtemacht, hintertreibt, zerstört, gar nicht aufkommen lässt. Vom „Zwider“ zum „Znicht“ ist das Gefälle fließend. Sagt jemand im rauen Tirol aber „des isch nit a zwiderer Bua“ oder „nit a zwiders Madl“, dann gilt dies mehr als jede noch so vollmundige Belobigung. Für den Tiroler ist die Abwesenheit von Widerstand bereits reine Wonne. Und wenn diese mit einem Madl geteilt werden kann, das „nit zwider“ ist, dann ist das Erdenglück vollkommen.

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Im Bild eine Radierung des aus dem Vinschgau stammenden Künstlers Paul Flora (c) „Der Vogelhändler“.

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