Sensibilisierung

Es ist das Lieblingswort der beamteten und der politischen Meinungsmacher. Ach ja, und der Macherinnen. „Da müssen wir die Menschen sensibilisieren“, sagen diese Amtsbekleider. Sie entwerfen Werbekampagnen, machen Radio und Fernsehen, selbstverständlich alles in untadeligem Gender.

Wenn sanft verkauft werden soll, wenn man glaubt, die Allgemeinheit mit lehrerhaftem Zureden zu edleren Empfindungen und Verhalten anleiten zu können, dann wird „sensibilisiert“. „Erziehen“ kann man nicht sagen, denn dazu gehörte die Strafe. Die undankbare Aufgabe des bösen, harten Buben will heute niemand mehr auf sich nehmen. Dafür wird umso mehr „sensibilisiert“. „Aufklären“ kann man auch nicht sagen, denn das hätte mit dem Aufdecken von Wahrheit zu tun. Das „Sensibilisieren“ hingegen dient zu oft verborgenen Absichten, die nicht anders als mit dem steten Einträufeln von Empfindungen durchsetzbar sind. Dieser „Sensibilisierung“ zum Trotz sind die wirklichen Leute sehr empfindsam (also sensibel). Sie haben ein untrügliches Gespür dafür, was wahrhaftig ist und gut gemeint, und wo ein Bemühen um das Bessere echt ist, oder wo manipuliert, also „sensibilisiert“ wird.

„Sensibilisierungskampagnen“ sind häufig dort anzutreffen, wo Frauen in führenden Stellungen in Politik und Beamtenschaft ihre Anliegen voranbringen. Auch Männer sind heute sehr sensibel. Sie „sensibilisieren“, immer mit öffentlichem Geld, gegen den Rausch, gegen das schnelle Motorradfahren, gegen Raufereien und Gewalt im Haus und auf den Gassen, und sie glauben sogar, dass es hilft.

Kurz gesagt, man und frau will gut sein, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Deshalb ab in den Papierkorb mit der „Sensibilisierung“. Her mit klaren Geboten und Verboten, die auf die „Sensibilität“ von Schlaumeiern, Dummköpfen und Verbrechern pfeifen. Her mit Bewusstmachen und Aufklären, wo die einfache Sprache und die Wahrheit ganz oben stehen. Wo die bitteren, harten, schmerzlichen Folgen eines Regelbruchs offengelegt werden. Es grüßen die Zehn Gebote.

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