Der Haislraggerer

DSC_0238

Heute ist der Haislraggerer dran. Was der tut? So wie man die Mistgrube vor dem Stall einmal im Jahr aushub und den Dung auf die Felder ausbrachte, so tat man das auch mit den menschlichen Ausscheidungen, die sich unter dem Haisl, dem „Plumpsklo“, aufgehäuft hatten. Das Haisl raggern, hieß es einst. Der Haislraggerer hatte diese etwas rüchige Arbeit zu erledigen. Doch so letz (schlimm) war es gar nicht. Denn die Leute schluckten weniger von allem Möglichen und Fleisch auf dem Teller gab es so selten wie Papier auf dem Haisl. Woher kommt das Wort „raggern“? Ist es das hochdeutsche „rackern“, also schinden, sich abmühen, hart arbeiten? Nicht ganz. Beide Wörter haben einen Urahn, das Stammwort RAKKA, und das hat mit Hund, Rache, Umherstreifen, in die Fremde ziehen und weiteren Geheimnissen der Wortgeschichte zu tun. Ein „Racker“ ist im Deutschen ein Bengel, Spitzbub, Lümmel, aber auch Leuteschinder, ein Folterknecht, der einem die Haut abzieht. Allgemein Abdecker, auch eines Daches. Dieses „racken“, d.h. „wegmachen“ von etwas Altem, Verunglücktem oder Hinterlassenem, schlägt nicht nur im Haislraggerer durch, es kommt auch im niederdeutschen „Wrack“ und „abwracken“ deutlich zur Geltung. In den USA oder auf Sizilien, aber nicht nur dort, kann man Opfer von Rackern werden: Bösewichter, die einem die Haut abziehen. Das amerikanische „racket“ ist nämlich nichts anderes als das treffende deutschstämmige Wort für eine Verbrecherbande, deren Geschäftsgrundlage das gewerbsmäßige „abziehen“ von Schutzgeld ist. In dieser unfeinen Gesellschaft bewegt sich unser Tiroler Haislraggerer. Aber so letz war der gewiss nicht. Heutzutage ist er sowieso ausgestorben, der Gute, und mit ihm der gute Mist, der unsere Felder fruchtbar machte, anstatt Flüsse und Meere zu verseuchen.

Dr Igligl logo klein

Im Bild das Klärbecken der Kläranlage Meran – Foto (c) Georg Dekas, 16. Feber 2012

Die
Dekas
Seite

Griasti! Des isch di Webseit von Georg Dekas