„Über zwei Augen“

„Wir geben dem Wunsch des Augenzeugen statt, damit sich unsere Leser über zwei Augen ihr eigenes Bild von dem Vorfall machen können.“ Kann man das so sagen wegen „über zwei Augen“?

Zugegeben, das ist eine Neuschöpfung, die aber begründet werden kann. Das „über“ verstärkt den Sinn, dass der Bericht eine Brücke ist, die uns hilft, das Geschehene besser zu begreifen. Eine Brücke ist eine Überleitung. Wir wissen, dass das räumliche, also dreidimensionale Sehen erst durch das zweite Auge möglich ist. „Durch“ oder „über“ sind hier Gleichwörter (Synonyme), entsprechend dem englischen „trough“. Hätte ich gesagt „mit“ oder „mittels“, dann wäre das Auge, also der Bericht, eher als Mittel oder Werkzeug zu verstehen. Das setzt voraus, dass ich es in der Hand habe. In diesem Fall stimmt das nicht. Der Bericht kommt von außen, von einem Dritten. „Über“ ihn kann ich weiter zum Kern des Geschehens vordringen. Also habe ich hier bewusst ein „über“ gesetzt. Umgekehrt ist mir keine, wie die Italiener sagen würden „controindicazioni“, bekannt, also ein Nachweis, dass diese Verbindung von Mittelswort (Präposition) und Hauptwort (Substantiv) als falsch erklärt worden wäre. Übrigens entsprechen die beiden deutschen Wörtlein „über“ und „durch“ dem lateinischen „per“ (Permeabilität, Perkussion, Person, Perfektion, Perzeption), in dem auch das „mit“ und „hindurch“ mitschwingt.

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