Modewelle

Wer nach der Mode geht, der hat es gut. Ist man vorne dran, genießt man die Bewunderung, die einem aus der Herde der anderen entgegen gebracht wird. Ist man in der goldenen Mitte des Trends, dann fühlt es sich genau so super an. Mit den Vorderen und  Besseren mithalten zu können macht stolz. Verstärkt wird dieser lustvolle Erfolg von der gemeinen, aber gerade deshalb umso mehr genossenen Verachtung für jene, die nur hinterher schlurfen oder, noch viel schlimmer, die Feinheiten einfach nicht raffen und höchst Modisches falsch zusammenstellen. Das Blöde an der Mode ist nur der Blick zurück. ‚Furchtbar, unmöglich, wie konnte ich nur!’ sagen die Modischen, wenn sie ältere Fotos von sich anschauen. ‚Typisch X-ziger Jahre!’ rümpfen sie ihre Nasen verächtlich, wenn sie in ein Haus oder Schlafzimmer treten, das bis ins Kleinste nach dem Kanon einer längst vergangenen Modewelle eingerichtet wurde. Alles, was solchen zerknirschten bis abschätzigen Nachurteilen entgeht, das nennt man dann Klassik. Also die Mode mit Bestand. Nun haben auch Wörter und Reden ihre Moden, so wie Kleider, Haarschnitte oder Möbel. Die ganz schrillen Modewörter verschwinden ebenso still, wie sie laut und eingebildet kamen. Andere werden zu Klassikern und gehen in das Erbgut der Sprache ein. Mit den modischen Unwörtern kann man zu jeder Zeit ganze Hefte füllen. Die Unwörter von heute finden sich vorzugsweise bei Marketinglern, Landesbürokraten, Kulturleuten und bei den FrauInnen. So, wie Neureiche anfällig sind für übertriebene Moden, so sind es die Neugebildeten, etwa Akademiker in der ersten Generation, die sich maßlos mit parfümierten Fremdwörtern bestäuben. Ganz vorne dran die Hits „Projekt“ und „Sensibilisierung“. Aber von so sensiblen Artefakten mehr das nächste Mal.

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