Kein Platz für Unglück

Zuerst die Dürre, dann der Dauerregen. Die Unbill des Wetters erinnert uns daran, wie sehr wir in der Hand höherer Gewalten sind. Die Natur ist längst nicht nur der gezähmte Riese oder die allzeit fürsorgliche Mutter, als die sie von unsereinem verehrt wird. Dabei sind Dürre oder Regen hierzulande noch längst keine biblischen Plagen. Das Heu wird teuer, einige Gäste reisen ab und ein wild gewordener Bergbach reißt die Obstbäumchen weg. Dort, wo früher nur Geröll, Sand und Freiraum für Auslauf waren. Jetzt ist, von Bagger, Land und Ameisenfleiß geschaffen, ist jeder Erdfleck millimetergenau besetzt. Wir haben uns das Leben bis zum äußersten Rand eingeteilt, und deswegen müssen wir messerscharf rechnen. Für Abweichungen ist kein Platz mehr. Erst recht nicht für Unglück und Tod. Das alles ist im Terminkalender nicht vorgesehen und darf nicht eintreten, sonst woll. So wie wir vom Wetter verlangen, dass es regnet und scheint genau wie wir es brauchen. Tut es aber nicht. So wenig, wie das Schicksal sich an unser dünn gesponnenes Netz vom ungestörten eignen Vorteil auf dieser Erden hält. Gut, dass bei Unwetter und Unfall die Feuerwehr und das weiße Kreuz anrücken. Bei vielerlei Schäden macht das Land Beiträge locker und alles hilft mit. Doch anstatt froh zu sein über die Anstrengung der Gemeinschaft im Notfall, neigen die Leute immer mehr dazu, vom großen Steuersack Vollkasko zu erwarten. 100% Beitrag für jeden nur möglichen Schaden. Diese Haltung ist über die Jahre regelrecht gemästet worden. Doch längst nicht jedes Unglück kann mit Steuergeld abgewandt oder wieder gut gemacht werden. Da wird es ein Umdenken geben müssen. Alte Heilkräfte in uns selber sind neu gefragt. Nach der großen Verbauung bitte etwas mehr Freiraum, außen und innen. Hilft auch, Sturzfluten zu bändigen. Inzwischen langt ein Blick auf die Flutopfer am Indus, um sich zu besinnen, wie gut es am Ende sogar das Wetter noch mit uns meint.

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