Parabel|Hausgarten und Betonfunk

Im Sommer-Hausgarten - Bild G.J.Dekas (c) 2013
Im Sommer-Hausgarten - Bild G.J.Dekas (c) 2013

Sommer, Sonne, Siesta. Das Leben fließt langsamer. Fußball- Weltmeisterträume kommen und verfliegen wie die wattigen Wolkentürme am heißen Himmel. Im Garten reifen die ersten Paradeiser (Tomaten). An den Stecken ranken die Faseiln (Grüne Bohnen, von ital. Fagioli). Dort leuchten Marillen vom Baum, nicht Aprikosen. Der Gärtner sitzt in seinem kleinen Paradies und genießt den Anblick. Was in aller Welt der liebe Gott und sein Mensch so alles herzügeln oder einfach wachsen lassen!

In dieser reichen Nachbarschaft von süß, sauer, bitter, wurzelig, heilsam, stechig, giftig, unscheinbar, schön und farbenprächtig tun ihm die Apfelbäumchen auf der anderen Seite des Weges so richtig leid. Wie Soldaten in Reih und Glied, angehängt an Draht und Beton. Die Wiese eine grüne Fabrik und die Baum-Zeilen ihre Fließbänder. Jede einzelne Frucht austauschbar und nahezu wertlos in einer Masse von Kunstnamen wie Pink Lady, Kanzi, Fuji und was weiß noch. Ist es mit den Mundarten und Sprachen im großen Weltgarten nicht ganz ähnlich?

Das jedenfalls denkt sich der Gärtner, wenn er die Südtiroler Sprecher in Hör- und Sehfunk „hochdeutsch“ reden hört. In ihrem Mundart-Gärtchen klängen sie fein, aber auf hochdeutsch wirken sie wie vorkriegszeitige Kalterer Böhmer, die sich auf Drahtseile spannen lassen, um gleich neu zu wirken wie die billigste Apfelsorte bei Aldi.

Überzogen perfekt, peinlich nachahmend und im Ganzen unecht. Viel zu selten dürfen die Südtiroler in den Medien zurückfinden in ihre ureigenste Alltagssprache – außerhalb der Krachledernen in Volksmusik, Satire und Werbung.

Doch halt! Es gibt dort auch einen kleinen Garten! Gehört im Sender Bozen, 8. Juli. Es ging um hiesige Rockmusik. Radioleute und Rocker redeten echtes, ungekünsteltes südtirolerisch. Losenswert, lobenswert. Hier werden aus Treibhaustomaten sofort wieder kostbare Paradeiser. Die wachsen sogar zwischen Heavy Metal.

Die Südtiroler Umgangssprache muss mehr in den Medien gehört werden können, sonst verlieren wir sie und damit unseren Garten Eden. Hohes Deutsch würden wir danach auch nicht schlechter können.

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Dr.phil. Georg Dekas

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