Führerlos

Wir haben unseren Führer schon lange los. Jetzt werden unsere lieben Bozner Italiener ihren Führer ein ganz kleines bisschen los. Duce bedeutet Führer und der Duce Mussolini war nichts Anderes oder Besseres als sein Nachahmer und Freund Hitler. Der einzige Unterschied ist, dass die Italiener ihren Duce heute noch verehren und glauben, er wäre nicht so schlimm gewesen wie der andere. Dabei war der deutsche Zauberlehrling nur viel dümmer, wahnsinniger und darin vor allem – viel gründlicher. In Bozen hatte Mussolini seinen Marsch auf Rom generalgeprobt, und Bozen ist seit 1921 eine original faschistische Stadt. Wer Augen hat, der sehe, wer Ohren hat, der höre. Jetzt, da im römischen Bazar ein weiterer Kuhhandel dazu führt, dass das Bild des Duce auf dem Gerichtsplatz verhüllt werden soll, jetzt tut es der hiesigen welschen Volksseele plötzlich ganz fest weh. Wir haben andere Probleme, so die lauwarme Ausflucht der meisten. Die Südtiroler sollten dem Duce vielmehr Rosen streuen, sagt ein bekannter Bolzanino offen, was Tausende denken. Nein, das überrascht leider gar nicht. Was hier wieder einmal aufapert, das ist die Sehnsucht nach dem Führer, der von oben herab alles richtet. In den Seifenopernkönig Berlusconi setzten sie ihre Hoffnungen, aber der gute Mann gibt wenig Stoff her für Heldenbilder aus Marmor und noch weniger Grund für blinden Gehorsam. Steckt hinter all dem Dusel um den Duce etwa nicht vielmehr die Angst, führerlos zu sein in dem kleinen Land, in das er sie hinein geführt hat wie Moses? Das jetzt, nach so langer Duldung, die geliebten Denkmäler einfach wegputzen darf? Vielleicht, eines Tages, nach noch einmal so langer Duldung, könnte es denen glatt einfallen, auch den Staat zu putzen, der so lugg ist. Der heuer sein 150stes feiert und der sich mit sich selber und noch mehr mit der bürgerlichen Ordnung so dermaßen schwer tut, dass der Duce einfach nicht sterben darf.

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