Murli

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Das sagen die Oberländer im Vinschgau, wenn ein Kind sich schmutzig gemacht hat oder ihm der Schokolade-Guß eines genüsslich verspeisten Mohrenkopfs rund um den Mund „bickt“. Ja, jetzt schaut es aus wie ein Morele. Clemens SchockiWenn jetzt das Kind auch noch Moritz hieße, wäre der Anklang zum Mohr vollkommen. Die Mohren, das ist die verdeutschte Fassung von „Mauren“, womit ursprünglich die dunkelhäutigen Einwohner der römischen Provinz Mauretania in Nordafrika bezeichnet wurden. Wer von dort kam, wurde im alten Rom oft einfach Maurus genannt, oder Mauritius – so wie später der römische Heilige, dem in unserem Land nicht nur einige Kirchen, sondern gar ein ganzer Ort, Moritzing, gewidmet sind. Unser „Moritz“ entspricht somit dem italienischen „Maurizio“. Das Wort Mohr, italienisch Moro, ist ein weithin beliebter Begriff, angefangen beim Gasthof zum Mohren in Burgeis (um wieder im Vinschgau zu bleiben),  über den „Caffè del Moro“, caffe del morowie der Wiener Meinl-Kaffee in Italien heißt, bis hin zum „Mohrenkopf“, eine der beliebtesten Süßspeisen unserer Kindheit. Die besten Mohrenköpfe gab es übrigens beim Zuckerbäcker König in Meran und in der Konditorei Hofer in der Bozner Museumsstraße gleich am Obstmarkt. Und weil auf dem Bozner Obstmarkt auch Früchte und Gemüse aus Spanien feilgeboten werden, sei daran erinnert, dass es  die Mauren waren, die Südspanien mit ihrer Bewässerungstechnik zu einem wunderbaren Garten gemacht hatten. Ihnen verdankt Andalusien eine tausendjährige Blüte. Die gleichen Mohren, die unterdess als gefürchtete Seeräuber die Küsten Europas heimsuchten, wurden Sarazenen („saraceni“) genannt.

Sarazenen von Wolfgang HohlbeinDas Sarazenenbild ist von Wolfgang Hohlbein. Quelle: Benjamin von Eckartsberg (http://voneckartsberg.blogspot.it)

Die Mohren waren also die Guten. Das alles gesagt, denken wir nicht im Traum daran, den süßen Mohrenkopf

Mohrenkopfaus unserem Leben zu streichen. Lieber sind wir hie und da etwas murli, als uns der heuchlerischen Sprachmode des politisch Korrekten zu unterwerfen.

 

 

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