„Person“

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Etwas kann nicht stimmen, wenn der alte Name für die Theatermaske zur Benennung von Menschen aus Fleisch und Blut herhalten muss.

„Per-sonare“, heißt hindurch-tönen. Im Altertum wurden im Theater „Typen“ dargestellt. Die Maske war ein Kunstgesicht, das den bestimmenden Wesenszug des Darstellers übertrieben sichtbar und dessen Stimme im Freien besser hörbar machte: das leicht aufgestülpte Sprechloch der Maske wirkte als Verstärker.

Erst später trat der Mensch hinter der Maske hervor und spielte eine möglichst unverwechselbare Rolle mit eigenem Gesicht. Das Wort Person hingegen hat sich festgesetzt, um Menschen als Typen mit vorgefertigtem Ausdruck ohne eigenes Gesicht und Sprache zu bezeichnen.

„Wer ist diese Person?“ Diese mit hohem Kinn und verächtlichem Ton vorgebrachte Scheinfrage pflegte früher eine höhere Stellung zu markieren.

„Person“ ist das Wort für Menschen-Einheiten, für „Stück“. Neun Stück Kegel abgeräumt, sechs Stück Eier im Karton, fünf Stück Menschen im Fahrstuhl.

Wenn vor einem Saal geschrieben steht, „Max 500 Pers“, dann ist das eine Sache für die Feuerwehr, die Versicherung, die Rettung, kurz, etwas Amtliches. Wenn aber ein Theaterkritiker schreibt, das Schauspiel sei von 500 Personen besucht worden, dann hat er seine Aufgabe verfehlt. Statt Sehen und Fühlen gibt er einen Polizeibericht.

Das Wort „Person“ ist strikt auf das amtlich, technisch und polizeilich Unvermeidliche zu begrenzen. Dem menschlich Einzigartigen ist immer der Vorzug zu geben.

Die Schauspielkunst hat sich weiter entwickelt, die Sprachkunst der Beobachter und Berichterstatter sollte dies wohl auch.

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