Glosse | Schön ist was schön ist

Ein althergebrachter schöner Tiroler Hutschmuck - Bild G.J.Dekas (c) 2009
Ein althergebrachter schöner Tiroler Hutschmuck - Bild G.J.Dekas (c) 2009

Wie etwa kann es sein, dass ein Michelangelo die Schönheit selbst malen kann, ein Einstein das Weltall errechnet, ein Oppenheimer die Atombombe baut und überhaupt das Schreckliche und das Schöne so nah beisammen sind?

Ja, – was ist eigentlich „schön“? Ganz einfach. Das Leben ist schön. Keine noch so großen Unglücke und Schicksalsschläge können den nach dem Schönen und Guten drängenden Urkern des Menschen erschüttern.

Dieser verschafft sich Geltung in allen möglichen Formen, Gestalten und Farben, in den unglaublichsten Paarungen, in den aberwitzigsten Moden. Der Mensch bringt so viele, ja unzählige Spielformen der Schönheit hervor, dass er in dieser verschwenderischen Schaffensfreiheit ein echter Teil der Natur ist, die in Allem genauso einfallsreich und verschwenderisch tut.

Wie kann es sein, dass alle zusammen eine Zeitlang sich überall Tatoos einstechen lassen und das schön finden – zu anderen Zeiten abscheulich? Wie kann es sein, dass ein nagelneues Auto so toll und schön ist und zehn Jahre später eine alte, fast schon lächerliche Kiste? Dass Schönheit vergänglich ist, weiß man. Aber ist das Schöne  wie der Geschmack – 1. verschieden und 2. „non est disputandum“? (Geschmack und Ohrfeigen sind verschieden)

Schönheit ist verschieden und vielfältig, das ja. Das heißt nun nicht, dass es kein zeitloses Maß für Schönheit gäbe – das gibt es. Es ist nur das Drängeln vor der Kamera und das Knuffen im unendlich großen Supermarkt des Schönen, das Verwirrung stiftet.

Der Geselle Mensch ist so gesellig, dass er schön findet, was seine Lieben, seine Vorbilder, seine Nächsten schön finden. Sich abheben möchte er schon ein bisschen, aber bitte nach oben, und nicht so, dass er als Depp und Tschapp dasteht. Schönheit ist ansteckend, das Schöne verbindet. Auch wenn morgen ganz etwas anderes schön ist.

Einen Sonnenuntergang hat noch nie jemand als nicht schön empfunden, und wenn das einer sagt, dann nur, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Was auch schön ist.

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Dr.phil. Georg Dekas

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