Glosse | Hoffnung nie aufgeben

Bild G.J. Dekas (c) 2020
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Den Leuten keine falschen Hoffnungen machen, so begegnet die Südtiroler Volkspartei dem Erfolg der Aktion „Iatz“ zum Selbstbestimmungsrecht. Die Abwehrhaltung der SVP hat einen handfesten geschichtlichen Hintergrund: das Schockerlebnis der Vätergeneration. In den 1930ern setzten die Südtiroler alle Hoffnungen auf das deutsche Reich und einen neuen Führer.  Es gab politisches Elend im Land und es trug die Farben der Trikolore. Auch damals lautete die Losung: Nichts wie weg! Am Ende wurden die Südtiroler das Opfer einer falschen Hoffnung. Am Ende des Weltenbrands konnten sie sich glücklich schätzen, die Heimat nicht ganz verloren zu haben. Dieser Schock und die daraus folgende heilsame Begnügung stecken tief im Erbgut der Volkspartei. Das hat sein unschätzbar Gutes.

Doch muss man auch sehen, dass falsche Hoffnungen in engstem Bezug zur Macht einer Verführung stehen. Führer Adolf war ein mächtiger Verführer, der Apfelbaum im Paradies eine unwiderstehliche Verlockung für Adam und Eva. Ist die Erkenntnis daraus diese, dass man jede Hoffnung aufgeben soll? „Lasciate ogne speranza, voi ch’ entrate!“ In der Hölle gibt es keine Hoffnung, oder besser: Wenn es keine Hoffnung mehr gibt, dann ist das die Hölle. Dante Alighieri sagte es, in Florenz, am Arno.

Es gibt eben auch die Hoffnung, die von unten herauf wächst, aus dem tiefsten Inneren. Es ist eine tapfere, kämpferische Hoffnung, die sich nicht geschlagen gibt vor den Neunmalklugen, den Faulen, den Mitläufern und den großen Fettaugen im kleinen Suppentopf. Die Hoffnung ist verliebt in das Gelingen, nicht in das Scheitern, sagt der deutsche Denker Ernst Bloch („Prinzip Hoffnung“).

Glaube, Liebe Hoffnung – im Neuen Bund ist das die Dreieinigkeit der Kräfte, ohne die der Mensch nie heil wird. Klar gibt es auch falsches Glauben, falsches Lieben und falsches Hoffen. Der Teufel liebt nichts mehr als sich in schöne Gedanken und verheißende Gefühle zu kleiden.

Dagegen steht die kleine, zähe und trotzige Hoffnung, die erst durch den äußeren Druck und die scheinbare Aussichtslosigkeit umso stärker und gesünder wächst. Das Kap der guten Hoffnung ist grün.

Grün sind die Gräser, Bäume und Blätter, die stetig wachsen und immer wieder neu anfangen, nach jedem noch so harten Winter. Lassen wir uns von dieser guten Hoffnung treiben und tragen, in unserem Leben, auch in der Politik.

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Dr.phil. Georg Dekas

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