Rätische Heimat – Eine Fingerwanderung (I)

Droysens Historischer Handatlas
Droysens Historischer Handatlas

Unser Land Tirol ist in vielfacher Hinsicht ein wahrer Schatz: Es sind nicht nur die Berge, Almen und Obstgärten, die Bräuche oder der Menschenschlag, es sind auch die Namen der Orte, Höfe, Fluren, Spitzen, Täler, Bäche. Für uns Einheimische sind die Bezeichnungen so gewohnt, dass wir die unglaubliche Aussagekraft und Originalität, ja sogar die Poesie unserer Orts- und Flurnamen gar nicht bemerken. Unternehmen wir doch eine kleine Fingerwanderung auf der Landkarte durch das Burggrafenamt.   

Beginnen müssen wir auf jeden Fall in Tirol. Hier steht das Schloss jener Grafen, die einst das Herzstück der Alpen beherrscht und ihm den Namen dieses kleinen Dorfes oberhalb Meran gegeben haben.

Tirol, das klingt verwandt mit Mariol (im Ultental) oder Vermol (-Tal, Passeier). Einen Flurnamen Tirol gibt es auch in Graubünden, gleich in der Fortsetzung des Vinschgaus, der eigentlich Vintschgau heißen müsste, weil die Wortendung und überhaupt der „tsch“-Laut in der rätischen Welt eine große Rolle spielt. Rätisch, das ist die Sprache und Kultur unserer Vorfahren, lange bevor der erste römische Legionär seinen Fuß in dieses Land gesetzt hat, aber auch lange bevor die ersten deutschen Siedler Hof um Hof angelegt haben.

In der Welt der Namen sind – in ganz Tirol und so auch im Burggrafenamt – die deutsche und die rätische Sprache  unzertrennlich. Es ist ein eng verwobenes und friedliches Miteinander, wie es sich eben ergibt, wenn die Zeit in Tausenden von Jahren gemessen wird und nicht in Stunden und Monaten.

Natürlich wissen die Sprachforscher wie der legendäre Egon Kühebacher aus Innichen so unendlich viel mehr über unsere Namen, ihre Herkunft und Geschichte als unsereins. Eigentlich ist es schade, dass sein Wissen in alten Büchern verstaubt. Ohne auf weitere gelehrte Abhandlungen zu warten, machen wir uns frisch auf und wandern mit dem Finger auf der Landkarte, um die uralten rätischen Namen aufzuspüren und zu sehen, wie sich die bairischen Namen dazwischen geschoben haben. Im Folgenden eine lose Listung. Erst danach widmen wir uns der Frage was rätisch, was deutsch.

Ulten

Mariol, Halsmannn, Gruben, Moos, Nasl, Kapauern, Fuchsen, Oberholz, Unterholz, Ortler, Wildegg, Durrach, Kampel, Hauser, Brinst, Eidschwör, Kohlstatt, Kerschbaum, Holzschlag, Welsche Grube, Welscher Berg, Schmiedhof, Kessel, Steinberg, Reinhof, Oberegg, Unterpichler, Kirchberg, Larcher, Larcha, Windkofler, Gleck, Langsee, Grünsee, Weißbrunn, Hasenöhrl, In der neuen Welt, Pils (-berg, -bach, -hof), Tuver (-bach, -alm, -spitz), Soy (-joch), Flim (-spitze, -alm, -joch) Flatsch (-berg usw.) Steinberg, Kaserberg, Neuwiese, Egghaus, Blaue Schneid, Gonnewald, Marson (er), Zoggler, Simian, Laas, Laugen, Maraun (-tal usw.), Silberhof, Mitterbad, Lotterbad, Gamper-Bach. Bei St. Pankraz: Martschein, daneben Bergmann, Klaus, Klausenbach, Martsch(-enberg), Pawigl, (St. Oswald, St. Vigil) Punter, Egger, Forch.

Deutschnonsberg

Proveis, Laurein, Mair, Neuhaus, Thal, Oberweg, Stiergbergalm, Matzlaun, Maloyer, Sam, Popi, Sous (3 Bergspitzen), Clozner Loch, Clotz, Brez, Wassertal, Höllental, Schöne Wiese, Wechsel, Schöneck, Tillgamp, Plattleiden, Gampen.

Mittelgebirge

Tisens, Fabian, (St. Christoph, St. Anton), Kasatsch, Feuchtenthal, Saxill, Völlan, Rateis, Lana, Plattleid, Grissian, Sirmian.

Naturns

Schnatz, Latschraun, Tum, Plon, Partschell, Fransch, Platatsch, Pardell, Karneil, Patleider, Kompatsch, Tschirland, Platzgum, Ragoi, Plaus.

Partschins

Vellau, Maratsch, Spauregg, Plars.

Tscherms

Tschigg (St. Martius), Kofler, Egger, Holzer, Hofer, Hillebranter.

Meraner Gegend

Meran, Mais, Schenna, Naif (-bach, -tal) Noafer, Vernaun (Berg, Schloss) Goyen (vgl. Maloyen) Tschagg (St. Valentin), Zmailer, Verdins, Tschifnon (-er Wälder), Taser, Sail, Tall.

Tschögglberg

Vöran, Grums(-er), Gatsch (er), (Ober-, Unter-) Kampil, Magritsch, Kampidell (St. Magdalena), Zinal, Mathon (-Unter-, Ober-) Tschifon (-erwald), daneben Bergmann, Steinmann, Bärenthaler, Hirschbichl.

Gargazon

Morosing, Pfrontschen

Passeier

Kuens, Gstear, Riffian, Gfeis, Pfitscher, Fals (-Tal), Vernuer, Finele, Sprons, Scheitz, Glamitz, Tschaggen, Magdfeld, Oberseier, Pfitschkopf, Pfitscher Lacke, Prantach, Saltaus, Matatz, Sauerloch, Sattelspitze, Pfitscher, Tramutz, Zögg, Schmötzl, Pfistrad (-Tal) Fartleis (-Tal)  Grafeis (-Tal). Glaitner (Hochjoch), Saltnuss bei Rabenstein, Jaufen, Wanns, Walten, Vermohl (-Tal), Stuls, Damian, Gorges, Ulfas, Gomion, Tasach, Gampen (bei Plattenberg), Moos, Pfelders, Prisch (Unter-, Ober-, -Wald, -Alm), Farmazon (-tal, Alm) Valtmar (-Alm), Muls, Ötz (-tal) Gurgl, Timmels, Imest (-Alm,) Focknlacke, Lazag (-er Tal, von Ridnaun herwärts) vgl. Lazag in Obermais) Schönau, Glanegg, Sprintzenwand, Botzer (Spitz, 3.251 m, vgl. Bozen!)

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