Iatz?

2013-05-18-Unabhängigkeit

Das Freiheitsfestl am Sandplatz in Meran war ein richtig schönes Volksfest, mit Volk im besten Sinn des Wortes. Ernst in der Sache, locker und fröhlich in der Art. Junge Leute, viele Familien, wenig Rückwärtsgewandtes. Gut, dass die politischen Parteien ihre Standlen etwas außerhalb des Festbereichs hatten, oben auf der Promenade. So konnten die Bürger Europas unten am Festplatz zeigen, dass sie eigenständig sind, und dass die bunte und handfeste Politik des Volkes etwas anderes ist als die Politik der graumäusigen Advokaten und Lehrer an den Schalthebeln des Systems. Auf der politisch linken Seite hat man den fröhlichen Geist des Festes gewürdigt, aber dessen politischen Kern abgelehnt. Man solle nicht Unfrieden stiften, bleiben, wo wir sind, lieber unser Häusl noch autonomer einrichten, keine Chance, usw. Erinnert an die Zeit vor dem Fall der Berliner Mauer. Damals war die Schickeria auch ganz der Meinung, man sollte eine Ruh geben und den Schusszaun fortbestehen lassen. Wer vor November 1989 das Ende der Teilung Deutschlands forderte, galt als übler Depp. Richtig, sagen die eleganten Softies von heute, Italien ist doch wohl nicht die DDR! Na, viel fehlt da nicht! Das Volk wird bei uns über die Steuern enteignet. Anstatt der Umerziehungslager gibt es die politische Korrektheit der Feministen. Das große Heer der Staatsbeamten ist lau, läuft mit. Der „servizio nazionale sanitario“ das beste Beispiel für neokommunistische Planwirtschaft. Wo eine gesunde Preisbildung unterdrückt wird, regieren das Parteibuch, das Mittelmaß und die Verschwendung. Wie überall, wo nur Staat draufsteht. Auch in Italien gaukeln Parteien Vielfalt vor, aber es herrscht der „Apparat“, und der will nichts ändern, weil er sich damit abschaffen würde. Es ist nicht gesagt, dass das Wunder von Berlin exportfähig ist. Aber die Italiener lernen gerade erst zu rufen ‚Wir sind das Volk!’, und ein Letta könnte der Gorbatschow Italiens werden. „Sie werden uns niemals gehen lassen“, sagte eine liebenswerte Volkstänzerin aus Eppan. Wohl wahr. Aber deswegen müssen wir den Nationalstaatlern nicht noch gehorsamst die Krücken reichen und ihr überholtes Staatsverständnis stützen. Europa muss sich selber nach dem Vorbild der Schweiz gestalten: Von unten nach oben, nicht von oben nach unten. Alles andere bricht von alleine zusammen. Iatz oder später.

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