Zugpferd, das war einmal

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Im Bild eine junge Haflingerstute auf den Quadrathöfen ober der Töll. Früher Zugpferd, heute Teil der Freizeitindustrie. Nicht im Bild der alles beherrschende Amtsschimmel.

Der Ruf nach weniger „Zettel, Zettel, Zettel“ (Liedermacher Sepp Messner „Windschnur“) ist ebenso alt wie wirkungslos. Legendär der Wahlkampf des munteren Hanspeter in den 1990ern wo er als „Handwerker“ eine ganz Schubkarre voller Bürokratenpapier auf den Müll kippt. Wählerstimmen wurden so haufenweise gewonnen, Freiraum keiner. Südtirols Unternehmer und Verbände verlangen heute noch inständig weniger Büro. Alles kam nur noch ärger. Heute haben wir haufenweise Vorschriften und Prozeduren, aber die Gewinne machen sich umso rarer. Der neueste Dreh ist, dass die Bürokraten jetzt selber ihre neuesten Verfahren und Formblätter als „Bürokratieabbau“ verkaufen. Da wiehert sogar der Amtsschimmel!

Ach, was muss das für eine Lust und Freude gewesen sein damals, gleich nach dem Krieg, als es galt, alles wieder aufzubauen! Die Leute haben alles gebraucht, alles wurde gekauft, Hauptsache schnell. Genau so musste es mit der Herstellung von Waren, Diensten und Gütern sein. Schnell, praktisch, direkt, unkompliziert. Aber mit Qualität. So entstanden große Firmen mit festen Arbeitsplätzen und ganz Europa hatte sein Wirtschaftswunder. Heute wundern wir uns, dass nirgends nix mehr weitergeht, außer bei den Steuern und Abgaben, und bei den Schulden.

Längst haben wir den Gipfel des Wohlstands erreicht und in diesem Wohlsein haben wir die großen Zugpferde der Wirtschaft nach China ziehen lassen. Den Rest davon verteilen wir unter uns in größtem Streit. Wenn jeder jedem einen Rekurs anhängt und Aufträge oder Beiträge nur mehr von der öffentlichen Hand erbettelt, dann braucht es halt immer mehr Bürokratie und Advokaten.

Wenn zu wenige Ingenieur, Chemiker oder Schlosser werden wollen, dann werden sie halt Beamte und Politiker. Die produzieren auch, fleißig, Tag für Tag. Neue Gesetze, neue Vorschriften, neue Verbote, neue Kriterien, neue Beiträge, neue Kommissionen, neue Kommissare, neue Zahlstellen, neue Rechtsgutachten, neue Daten… ach, es hört nimmer auf! Nur eines ist sicher: Das alles zehrt an den Kräften und lähmt gewaltig! Alle beschäftigen sich gegenseitig ohne den mindesten Nutzen.

Hausverstand und Anpacken sind Fremdworte geworden, die gesunde Eigenverantwortung wird öfter bestraft als belohnt, das Tachinieren wird zum Geschäft. Einen gesunden Amtsschimmel braucht es ganz sicher, keine Frage, und dass die Bürokratie unaufhörlich wächst, ist nicht immer die Schuld der Bürokraten. Nur: Können wir uns soviel papierenen Umstand und Unverstand leisten?

Erstmals veröffentlicht in BAZ (Burggrafenamt-Zeitung) 2012

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