Bauer sauer auf Genossenschaft

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Hans ist Obstbauer im Burggrafenamt. Er ist sauer auf seine Obstgenossenschaft.  Eine ansehnliche Gruppe von Unzufriedenen habe sich gebildet, sagt er. nun, wo drückt es den Apfel? Hans spart nicht mit starken Worten. Aber halt, sein Name dürfe auf keinen Fall veröffentlicht werden. Die anderen seien zu mächtig. Meinen tut er den Vorstand, seine eigenen Bauernkollegen, ja, und die Geschäftsführer, und die Politiker, die mit ihren Beiträgen massiv in die Genossenschaften eingreifen. Denen, die da oben sitzen, sei der Grundgedanke der Genossenschaft „Einer für Alle – Alle für Einen“ total abhanden gekommen. „Eher schaut es so aus, dass alle für Wenige herhalten müssen“, zürnt der Hans.

Die Bauern sind als Genossenschaftsmitglieder Eigentümer eines gemeinsamen Betriebes für Lagerung und Vermarktung. „Die Genossenschaft ist praktisch der zweite Hof des Bauern“, sagt Hans, denn sein Anteil an den Kosten für die Obstgenossenschaft  seien mittlerweile genauso hoch wie seine Herstellungskosten von Äpfeln.

So ging "Klauben" früher"
So ging „Klauben“ früher. Endlich kann der Pawigler Hans einmal bei der Bäurin zuigreifen.

Aber wie sieht die Rolle der Eigentümer das in der Praxis aus? „Mangelnde Informationsbereitschaft seitens der Funktionäre ermöglichen für die Mitgliedsbauern keine auch nur annähernd nachvollziehbare Übersicht“, klagt Hans.  Der einzelne Obstbauer werde bis ins kleinste und bis auf jeden Apfel kontrolliert und seine gesamte Einkommenssituation liege jederzeit abrufbereit auf dem Bildschirm. Möchte aber der Obstbauer im Gegenzug wissen, wie viel er seinen Topangestellten in der Genossenschaft zahlen muss, so ist dies für ihn kaum in Erfahrung zu bringen. Auskünfte würden von den oberen Genossen meist nicht gegeben bzw. unter fadenscheinigen Ausreden schlichtweg verweigert.

Da ist etwas faul in der Kiste!
Da ist etwas faul in der Kiste!

Die Genossenschaften hätten sich verselbständigt und die Bauern seien als Eigentümer zu „Nettozahlern“ und Befehlsempfängern des Systems geworden, lautet der Vorwurf. Mit dem Sortier- und Klassifizierungssystem habe man dem Bauer Schritt für Schritt ein völlig überzogenes System untergejubelt, schimpft Hans: „Für eine Sorte gibt es mittlerweile über 60 Sortier- und Auszahlungsklassen“. Für den Bauer werde es immer schwieriger, sein Ergebnis zu kontrollieren. Umgekehrt würden sich für die Funktionäre immer mehr Möglichkeiten ergeben, computertechnisch mit den einzelnen Posten zu jonglieren und möglicherweise auch zu manipulieren. Was will die Gruppe um Hans unternehmen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

Auch die Ernte ist Industriell geworden im Ostbau
Auch die Ernte ist Industriell geworden im Ostbau

Zuerst die Mitglieder und Obstbauernkollegen darauf hin anzusprechen, dass diese Entwicklungen nicht in Ordnung sind und nicht als unausweichbares Schicksal hingenommen werden müssen, betont unser Obstbauer, der sich so recht noch nicht an die Öffentlichkeit getraut, aber sauer ist wie eine Zitrone und giftig wie der Apfel von Schneewittchen. Es brauche wieder klare Verhältnisse: „Eine Genossenschaft hat ihren Eigentümern zu dienen und nicht umgekehrt. Die Angestellten und die gewählten Vertreter bis hin zum Obmann stehen im Dienst der Eigentümer und nicht umgekehrt“. Hans steht nicht alleine da mit seinem Frust. Ob daraus eine produktive Bewegung wird?

Ohne Netz geht nix
Ohne Netz geht nix

Der Unmut von hans ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass die goldene Zeit der Obstbauern in Südtirol zu Ende ist. Die hoch technisierten Betriebe und Marktabläufe sind dabei sind, ihre eigenen Kinder, die Bauern, zu fressen. Zu wessen Vorteil?

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