Armes Schwein

Budapest, Großmarkthalle
Budapest, Großmarkthalle

Würde man den alten Bräuchen folgen, dann wäre bald Schlachting. Zu Martini schon haben wir dem Gansl seinen Kragen umgedreht. Bald ist unsere Sau dran, die brave. An einem frostkalten Morgen, noch bevor es hell ist, wird sie aus dem warmen Stroh geholt. Die Jungen sind schon längst abgesäugt und schlafen in der anderen Box. Aber weil Schweine feinsinnig sind, wissen sie, dass Unheil naht. In schrillen Obertönen schreien sie zusammen mit dem Tata, den Onkeln und Tanten im Stall, während ihre Mama zur Hinrichtung gezerrt wird. Oben, im Haus, hören die Menschenkinder das Herz zerreisende Gellen. Draußen im Hof vermeidet es der Schlachter, dem Schwein in die Augen zu sehen, bevor er den Bolzen in die Stirn treibt. Der Tod tritt sofort ein. Das mächtige Tier kippt zu Boden. Hinein mit dem schweren Leib in das heiße Sudfass. Die Luft in der engen Waschküche dampft und riecht nach würzigem Baumpech. Das hilft beim Entborsten der Schwarte. Eine Stunde später hängt das arme Schwein tot, nackt und bleich am Holzkreuz mit dem Kopf nach unten. Den Bauch aufgeschlitzt, die Gedärme, die Lunge, das Herz und das Blut liegen davor in großen Schüsseln.

Nein, heute tun wir das alles nicht mehr. Wir sehen und hören nichts. Wir lassen töten. Das Fleisch kaufen wir fein abgepackt unter Folie. Dafür essen wir das um das Vielfache. Klar nur das Filet oder sonst ein feines, mageres Teil. Millionen armer Schweine, Rinder und Vögel sterben namenlos im animalen Holocaust. Um wie viel ehrlicher und schonender für Tiere ist da nicht einer, der seinen Fock selber schlachtet, der beim Tischgebet für das Opfer dankt und der von den Schweinsohren bis zu den Klauen alles isst. Um unseren Mitgeschöpfen die Ehre zu erweisen, braucht niemand zum Vegetarier zu werden. Nur knapp auf den Teller laden, alle Teile genießen lernen, nichts hinten lassen und wieder einen fleischlosen Freitag einrichten. Danke, liebe Sau.

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