Das Liebeswerk

Yosiag
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Auf eine „Gedankenachterbahn“ nimmt uns Pater Dr. Paul Hofer mit: An diesem 6. September wird in Meran 100 Jahre Liebeswerk gefeiert. Pater Paul erzählt von Auftrag, Geschichte, Gegenwart und Zukunftswünschen.

 Nichts könnte das Liebeswerk besser beschreiben als das „Original“ Pater Paul im original! Aus seiner Rede bringen wir lange Auszüge, dem Liebeswerk zuliebe.  Allein schon wegen seines schönen Namens und für die vielen unbekannten Kinder und Jugendlichen seiner Geschichte. Indem wir Pater Paul im Wortlaut belassen, wird etwas festgehalten, was zu Meran gehört wie die Passer. Und Pauls Achterbahn lässt auch ein wenig von der politischen Kultur hierzulande durchblicken. Auf weitere hundert Jahre!    

 „Lade Euch ein, mit mir eine Gedankenwanderung durch das ‚Seraphische Liebeswerk’, jetzt  ‚Kapuzinerstiftung Liebeswerk’, zu starten. Kann mir schon gut vorstellen, dass in der Festversammlung ein Wunsch verborgen ist: Hoffentlich wird der Paul nicht zu lange sprechen!

Wie die Liebeswerkidee entstand: Im 19. Jahrhundert war die Not groß. Kinder mussten 10 Stunden und mehr am Tag arbeiten. Neues Denken war gefragt, um soziale Gerechtigkeit herzustellen.  Auf der einen Seite gab es das freie Unternehmertum, den Liberalismus, auf der anderen Seite den Kommunismus, der die Eigenständigkeit und Würde der Person durch den Staat ersetzt. Doch es gab auch Versuche, die Dinge vom christlichen Personenverständnis her zu verändern. Die Grundregeln für die Arbeitswelt des Mainzer Bischofs Ketteler von 1869 gelten heute noch als Wiege der christlichen Soziallehre. Adolf Kolping und Don Bosco fallen auch in diese Zeit hinein. Am 15. Mai 1881 brachte Papst Leo der XIII. die Enzyklika „Rerum Novarum“ heraus. In überraschender Bestimmtheit zeigt der „Arbeiterpapst“ auf,  wie die sozialen Gegensätze überwunden werden sollen. Vor diesem Hintergrund ist die Geburt des Seraphischen Liebeswerkes zu verstehen. Cyprian Fröhlich, ein Kapuzinerpater aus Bayern, fühlte sich angesprochen und herausgefordert. Er selber hatte die Not am eigenen Leibe verspürt. Diese erlittene Not war für ihn Energie, und ohne bürokratisch geordneten Ablauf ging er ans Werk. 1889 gründete er das erste Liebeswerk in Ehrenbreitstein. 1908 kam Pater Cyprian Fröhlich nach Meran zur Erholung. Sein Werk hatte ihn nahe an eine seelische und körperliche Erschöpfung gebracht. Er nützte die Zeit der Erholung für seine Idee und begann in Meran, im damals ungeteilten Tirol, ein Liebeswerk zu bauen. Auch bei uns begegnete er Widerständen, aber die weitblickende Leitung der Tiroler Kapuzinerprovinz ließ sich von der Begeisterung von Cyprian anstecken und unterstützte sein Vorhaben. Aber auch in Südtirol war liberales Denken eingekehrt, mit dem Slogan: „Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft“. Das war nicht leicht aufzubrechen. Cyprian Fröhlich und die Kapuziner hielten entgegen: „Wer ein Kind rettet, rettet eine Generation“. So standen sich zwei Werbeslogans gegenüber. Die Kapuziner, allen voran  P. Angelus Stummer und der Ordensgeneral P. Bernhard Andermatt wussten diese Botschaft des Liebeswerks mit viel Geschick unter die Leute zu bringen.

Gute Vorhaben finden oft ganz unerwartet Energie spendende Partner: Im Jahr 1908 feiern Kaiser Franz Josef I. in Wien seine 60-jährige Regierungszeit und in Rom Papst Pius X. sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Beide rufen dazu auf, das Elend der Kinder zu mildern und die nötigen Einrichtungen zu schaffen, um dem Kind eine würdige Zukunft zu ermöglichen. Im selben Jahr konnte für das Liebeswerk der Lindenhof in Dorf Tirol erworben werden. Dazu gründete P. Franz Tischler das „St. Fidelisblatt“ als Ideenbrücke für die Öffentlichkeit. In kurzer Zeit konnte diese Monatszeitschrift eine Auflage von 20.000 erreichen und kam später auf 40.000 Abonnenten. Nun war alles gegeben: Grund und Boden für einen Bau und eine Kommunikationspiste. In einer Bauzeit von nur drei Jahren erbauten die Kapuziner aus dem Lindenhof ihr „St. Fidelishaus“ – das heutige „Johanneum“ in Dorf Tirol. Mit den damaligen Mitteln ist dies eine Leistung, die keiner Worte bedarf.

Der Bau war nur möglich, weil die Bevölkerung mit überraschender Selbstverständlichkeit dieses Projekt in allen möglichen Formen unterstütze, mit Geld, Naturalien, mit kostenlosen Arbeitsschichten. Kapuzinerpatres wanderten zu Fuß ganz Südtirol ab, um für das Liebeswerk zu werben. Im Jahre 1911 konnte der große Bau als Heim für Kinder mit Werkstätten, eigenem Sportplatz (natürlich nicht mit der heute gewohnten Ausstattung), und mit einer Abteilung für ‚Exerzitien’ eröffnet werden. Das Projekt war auf der Zielgeraden angelangt, da wurde es aber aufgehalten. Warum? Der erste Weltkrieg brach aus. Das Haus musste als Lazarett für verwundete Soldaten aus der Dolomitenfront geräumt werden. Die Not übertraf noch die vorausgehende Notsituation in der Entstehungsphase, die jetzt entstandene Not griff auf die gesamte Bevölkerung über.

Eine Klosterzelle musste als Transferstation und als Organisationszentrum für ein „wanderndes Liebeswerk“ dienen, das heimatlose Kinder bei hilfsbereiten Familien unterbrachte. Der zweite Weltkrieg brachte neues Elend. Ungefähr 400 bis 500 elternlose Kinder waren bei Familien gleichsam „zwischengeparkt“. Die Zahl der Kinder ohne Zuhause wuchs ständig. So mussten sich die Kapuziner um eine neue Bleibe umsehen. Die Diözese Trient wollte das St. Fidelishaus in Dorf Tirol nicht mehr abgeben. In Meran aber bot sich eine Lösung an. Die Eucharistinerpatres wechselten nämlich von ihrem „Johanneum“ in der Goethestraße hinauf in den Winkelweg nach Obermais. Ihr Haus in der Goethestraße boten sie zu günstigen Bedingungen den Kapuzinern an. Zusammen mit der Kirche St. Leonhard entstand hier das neue Liebeswerk.

Am Karfreitag, den 7. April 1950 zogen Direktor P. Eligius Tappeiner und P. Raphael Wieser in das neue Liebeswerk ein. Kindern von Kriegswitwen und Rückwanderer eine Unterkunft zu geben, das war das Gebot der Stunde. Das St. Fidelishaus konnte der stets steigenden Nachfrage nicht gerecht werden. Durch Vermittlung von Herrn Karl Menz konnte die „Villa Serena“, das Schülerheim der LBA, erworben werden und wurde in St. Josefsheim umgetauft. Die Kapuziner erwarben das Lehrlingsheim und bauten das Kleinkinderheim, sodass anfangs der 60er Jahre bereits vier Häuser bestanden.

Die Nachfrage stieg immer noch. Die Kinder waren ganzjährig anwesend, auch an Sonn- und Feiertagen. Im Haus  waren auch noch Schulklassen untergebracht, die Pausenaufsicht oblag ebenfalls den Schwestern. Eine Schwester hatte im Schnitt 15-20 Kinder, freien Tag gab es keinen, außer Tage für die jährlichen Exerzitien. Sie mussten noch die Wohngeschosse sauber halten, für die Kinder Wäsche bügeln, wenn nötig, Wäsche flicken. Genauso arbeiteten Schwestern in der Küche, an der Pforte, im Garten und im Sekretariat. Ein derartiges Arbeitspensum wäre heute nicht mehr vorstellbar!

Übergang von der privaten in die öffentliche Fürsorge: Anfangs der 60-ger Jahre konnte die öffentliche Verwaltung in finanzieller Hinsicht schon bemerkenswerte Unterstützung gewähren. Die stufenweise Eingliederung in die öffentliche Fürsorge brachte natürlich auch einen entsprechenden Wandel in der Kinderbegleitung mit sich. Die Schule im Liebeswerk wurde geschlossen, und die Verteilung der Kinder vom Liebeswerk in der Stadt war pädagogisch sinnvoll. Die Not und die Schwierigkeit der Kinder verlagerten sich langsam, aber unverkennbar. Die materielle Not wurde zusehends aufgefangen, an ihre Stelle rückte immer mehr die psychische Not und Verwundung der Kinder. Sie musste behandelt werden. Ein Netzwerk von Eltern, Sozialfürsorge, Schule und Fachkräften musste projektorientiert aufgebaut werden.

  1. Dr. Paul Hofer wurde am 1. September 1982 die Leitung des Liebeswerks von P. Anton Beikircher übertragen. „So wie ich dich kenne, wirst du es nicht 6 Jahre hier aushalten“, flüsterte P. Eugen Demetz dem neuen Direktor ins Ohr. Inzwischen sind es bereits 26 Jahre geworden! Der neue Direktor fand eine gute finanzielle Basis und ein Ensemble vor, das neue Denkansätze erlaubte, ja sogar erforderte. Drei Ansatzpunkte schoben sich einander: Die Umpolung der Betreuung in Kleingruppen mit entsprechendem Fachpersonal sowie Vernetzung mit der öffentlichen Verwaltung; Eine Erweiterung der bisherigen Tätigkeit auf andere soziale Bereiche und schließlich die Schaffung der dazu nötigen Strukturen.

Die öffentliche Meinung war noch allzu stark von Vorurteilen geprägt, sie sah das Liebeswerk als eine Art „Sozialisationsagentur“! Die Kinder und Jugendlichen würden im Liebeswerk gleichsam psychisch durchgewaschen, der Gedanke einer kindergerechten Strafanstalt erstickte positives Denken und Reden. Diese Einstellung hatte eine zwiespältige Reaktion zur Folge, einerseits wurden die Kinder vom Liebeswerk bemitleidet, andererseits galten die gleichen Kinder bei jedem negativen Ereignis auf dem Schulweg, in der Stadt als die selbstverständlichen Täter, sie und das Liebeswerk waren die „Erst-Angeklagten“. Diese Einstellung galt es schnellstens zu durchbrechen!

Die Tertiarschwestern, die für das Liebeswerk Großartiges geleistet hatten, wurden auf Grund ihres Alters stufenweise abgezogen; zudem wurden sie auf Grund des Nachwuchsmangels in ihren eigenen Niederlassungen benötigt. Diese Umstellung von den Schwestern auf weltliches Personal war in finanzieller und meinungsbildender Wirkung nicht einfach. Es gab Verletzungen, Wunden, in die von Außen noch Salz gestreut wurde, in dem der Direktor als „Schwesternkiller“ betitelt wurde. Man wollte ihn damit in eine ganz bestimmte Ecke drängen und in Raten „entsorgen“. Am Silvestertag 1988 verabschiedete Landesrat Dr. Otto Saurer in einer kleinen Feier die letzten Schwestern.

Die Landesregierung unterstützte das gesamte Liebeswerk in der weit ausgelegten Tätigkeit nach bester Möglichkeit. Die positive Einstellung der Landesregierung war für Dr. Hofer ein Energiereservoir, vielleicht sogar ein Schongebiet, denn die Kritik an der Führung des Liebeswerk häufte sich, sie konzentrierte sich hauptsächlich auf die vermeintlich „entseelte Führung“ des Liebeswerkes, scheinbar waren keine religiöse Grundzüge mehr erkennbar, das Erscheinungsbild von P. Paul war etwas ungewohnt, in besonders erleuchteten Kreisen wurde die Absetzung des Direktors herbeigesehnt, sogar gefordert!

Ausbau der Tätigkeitsbereiche: Der Tätigkeitsbereich der Erziehung musste in ein Gesamtkonzept eingebunden werden, damit für Kinder und die Jugendlichen eine weit gefasste Möglichkeit für „soziales Lernen“ gegeben bleibt. Die bisherige Tätigkeit war auf lange Sicht nicht überlebensfähig! Für das Liebeswerk bedeutete dies, neue Tätigkeitsfelder hereinholen, die Gesellschaft im Kleinen musste für die Kinder erfahrbar werden, damit ihr Selbstbewusstsein gefestigt werde. Mitleid mit den Kindern im Liebeswerk muss sich in Anerkennung, Respekt, vielleicht sogar in unausgesprochenen Neid ausdrücken; der Weg dahin war nicht einfach, aber er ist gelungen. Die Kinder und die Jugendlichen im Liebeswerk werden heute nicht mehr bemitleidet, sie werden beneidet.

Neue soziale Anliegen fanden Umsetzung im Liebeswerk; Oberschülerinnen ab 16 bis ungefähr 19 Jahren bekamen Zweitbettzimmer mit Nasszelle, eigenes Telefon, Fernseher, eigene Computerräume; alle Mädchen haben einen Hausschlüssel! Das heißt: sie lernen Eigenverantwortung und üben ihr Erwachswerden.

Das erste Sommerfestival startete vor 23 Jahren mit 13 Kindern. Heute sind es im Monat Juli-August im Schnitt 95 Kinder (2008) pro Tag. Das war ein  Pilotprojekt vom Liebeswerk, zu Beginn viel kritisiert, heute sind Sommerangebote Gott sei Dank selbstverständlich.

Die öffentliche Mensa geht ins 17. Jahr, auch dieses Angebot gehört heute zu einer nicht mehr weg zu denkenden Tätigkeit vom Liebeswerk und für die Stadt. In der Schulzeit haben wir einen Schnitt von 150 Mensagästen plus 50 Oberschülerinnen, 20 Heimbewohner und ungefähr 25 Mitarbeiter, die bereits am Vormittag im Dienst sind.

Die Vortragsräume im Liebeswerk werden von privaten und öffentlichen Betriebe für Fort- und Weiterbildungskurse genutzt, weil wir technisch gut ausgestattet sind.

Das Sportzentrum mit Turnhalle, Schwimmbad, Sauna ist immer ausgebucht. Dreimal wurde dieses Projekt mit der Begründung abgelehnt, es sei ein Fremdkörper im Liebeswerk. Heute kommen Gruppen, die anderswo keine Chance hätten, ihren Gesundheitszustand stabil zu halten; die Krebs- und Herzkranken, die Rheumaleidenden, die Senioren, viele Mütter-Kinder Gruppen, Kindergärten und Kinderkrippen. Während der Schulzeit haben wir ungefähr 33 Gruppen pro Woche in unserem Sportzentrum.

Seit Schulbeginn 2006/07 sind nur mehr zwei Gruppen von Jugendlichen im der Projektmühle; ein sozialpädagogische Wohngruppe, die ganzjährig geöffnet ist mit maximal 11 + 1 Plätzen;  6 Begleitpersonen und eine Tagesgruppe 10 Plätzen mit 2 Begleitpersonen; beiden Gruppen steht eine koordinierende Person vor. Man sehe den Unterschied zu früher!!!!!! Das Liebeswerk ruderte trotz der Umfunktionierung, trotz der weit ausgelegten Tätigkeitspalette zurück zum Stiftungssinn. Gegenwärtig sind zusätzlich 6 Kleinkindergruppen bis in den späten Nachmittag hier; das Liebeswerk vermietet für die 6 Kindergartengruppen die entsprechenden Räumlichkeiten. Diese Kindergärtengruppen lassen das Liebeswerk wieder im Geiste des Gründers atmen.

Im Herbst 2004 wurde Yosyag eröffnet; dieser Bau bedeutet heute noch für viele eine schwer zu schluckende Kröte. Warum? Weil ein Restaurant und eine Bar mitgebaut wurde. Den Kritikern geht es nicht um die finanzielle Seite, denn ein Restaurant und eine Bar führen, das ist heute keine Geheimpiste zu einer Goldgrube, das ist harte Arbeit! Es geht um wiederum um die Idee, denn das Liebeswerk sollte sich nicht in diese Geschäftssparte verlieren. Eigenartig, inzwischen nehme ich wahr, dass Institutionen mit „Diakonischer Zielrichtung“ auch Hotels und Restaurants kaufen, damit für Gäste Nischen der Stille angeboten werden können. Ich bin verwundert, zugleich aber gratuliere ich für die schnelle Lernbereitschaft und Lernfähigkeit!

Bautätigkeit oder Bauwut? Noch ein kurzes Wort zu Bautätigkeit; diese erfolgte in schneller Abfolge, sie war entscheidend für Personen, die eher eine Bauwut wahrnahmen als eine strukturelle Nach- bzw. Aufbesserung. In schneller Abfolge, mit kräftiger Unterstützung von Wohltätern, der Kapuzinerprovinz, von der öffentlichen Verwaltung konnte dieses heutige Zentrum nachgebessert, bzw. ausgebaut werden.

Nachgebessert wurden das Kleinkinderheim als Personalhaus, umgetauft in „Focushaus“, sowie der ganze Eingangsbereich mit Hausbar, Foyer, Speisesaal mit moderner Küche. Leider fand ich beim Ausbau nicht die Zustimmung für einen größeren Speisesaal, heute kann dieser Saal die Mensagäste nicht mehr fassen. Vielleicht gibt es eine finanzielle Möglichkeit, damit diese Nachbesserung dennoch möglich ist?

Das St. Fidelishaus wurde zur Gänze umgebaut, am 30. August 1997 als „Projektmühle“ neu eröffnet. Die Kirche zum Hl. Leonhard mit Altären und neuer Empore wurde zu einem Jubelstück. Die ganzen Außenflächen wurden als Parkanlangen und Erholungszonen umgestaltet.

Neu erbaut wurde das Sportzentrum, der Begegnungssaal auf der Küche,   der Begegnungsplatz, die Tiefgarage für das Personal, die Nothelferkappelle, die Orgel in der Kirche und das Zentrum „Yosyag“ auf der gegenüber liegenden Seite des Liebeswerkes. Wichtig ist die Verbindung beider Zentren durch einen unterirdischen Gang, sodass die Gefahr bei der Straßenüberquerung für Kinder behoben ist. Die Kleininvestitionen sind gar nicht erwähnt. Die Investitionskosten können ziemlich genau angegeben werden, sie liegen ungefähr bei 21,3 Millionen Euro. Gedeckt wurde diese Summe mit 3.150.000,- € aus Grundverkauf; 1.000.220,00 € aus Erbschaften: Haus „Mumelter“ in Bozen; Wiese „Gasser“ in Gargazon, Haus „Löwenegg“ in Sterzing, „Wohnung von Frieda Frei“. Bleiben noch: 18.150.000,00 €. Von diesem Betrag bezahlte die Landesregierung ungefähr 90%, das macht 16.335.000,00 €; es bleiben noch 1.815.000,00 € als Eigenfinanzierung von der Kapuzinerprovinz Brixen. Zusammen hat die Kapuzinerprovinz Brixen ungefähr 4.966.000,22 €. Das war eine Art Aufzählung, trocken und nüchtern, ohne Bewertung. Viel Geld ist investiert worden, möglich war es nur durch die großzügige Unterstützung der Landesregierung, insbesondere von Landeshauptmann Dr. L. Durnwalder, Dr. O. Saurer und Dr. R. Theiner.

Die Kapuzinerprovinz hat nach Möglichkeit mitgeholfen, viele Wohltäter haben in überraschender Weise gespendet. So ist das Liebeswerk heute zu einem Zentrum herangewachsen, das für die Stadt und Umgebung einen wichtigen sozialen Beitrag leistet. In etwa wurden seit der Eröffnung in Dorf Tirol im Jahr 1911, von 1929 bis 1950 bei den Familien, und von 1950 bis 2008 in der Goethestraße, 3.500 bis 3.650 Kinder betreut. Dabei ist zu bedenken, dass einige Kinder vom Alter von 3 Jahren bis zum Schulabschluss im Liebeswerk waren. Hinzu kommen noch die 670 Lehrlinge von 1961-bis 1998.

Zukunft des Liebeswerks: Ziel muss es sein, die Tätigkeitspalette so auszubauen, damit das Liebeswerk beinahe kostendeckend arbeiten kann. Investitionen werden immer nur mit Unterstützung der öffentlichen Verwaltung möglich sein. Aber die laufende Tätigkeit muss auf kostendeckende Eigenständigkeit abzielen.

Ausbau des Sommerfestivals: Für 2 Wochen müsste es möglich sein, falls Nachfrage besteht, dass behinderte Kinder und Jugendliche in das Sommerfestival eingebunden werden.

Erwachsenwerden der Oberschülerinnen: Wir haben heuer zum ersten Mal 55 Oberschülerinnen; sie alle wohnen in Zweibettzimmern mit Nasszellen, Fernsehen, Telefon und Computerräume. Bei den Oberschülerinnen muss es eine Stufung geben; Mädchen ab 17 Jahre benötigen für ihren psychischen Reifungsprozess Eigenständigkeit und Diskretion. Im Focushaus bietet sich die Möglichkeit, ungefähr 20 Kleinwohnungen zu schaffen mit eigenem Zugang, sodass diese Mädchen ein verantwortetes Eigenleben gestalten können.

Jugendaustausch: Eine Zukunftsidee, die einige Blockaden noch aufbrechen muss. Es müsste möglich sein, dass Kinder und Jugendliche andere, ähnlich gelagerte Institutionen im Ausland besuchen können und so Erfahrungen sammeln, die den eigenen Horizont „reifend“ beeinflussen.

Eine „Kommunikationsloipe“: Kinder und Jugendliche, die ins Liebeswerk kommen, sind zum Großteil psychisch verwundet. Eine solche Verwundung hat oft eine Kommunikationssperre zur Folge. Es müssen Formen gesucht werden, welche ihre wortlosen Mitteilungen auffangen. Solche Formen wecken Reflexion, regen Wahrnehmung an, sie öffnen Verständnishilfen.

Ich danke allen, die trotz Fehler zum Liebeswerk und zu meiner Führung gestanden sind: Danke der Südtiroler Landesregierung, allen voran dem Landeshauptmann, Dr. Luis Durnwalder, seinem ersten Stellvertreter Dr. Otto Saurer, dem Landesrat Dr. Richard   Theiner, dem Ressortdirektor Dr. Günther Andergassen, Danke dem Abteilungsdirektor Dr. Karl Tragust, dem Amtsdirektor Dr. Eugenio Bizzotto, den Sekretärinnen, allen voran Frau Martina Graf, Sekretärin beim Landeshauptmann. Danke der Kapuzinerprovinz in der Person von P. Provinzial Anton Beikircher, allen Mitbrüdern, Danke P. Robert Prenner für die Redaktion des St. Antoniusblattes; er hat dieser Monatszeitschrift ein neues Image gegeben; heute wird das „St. Antoniusblatt“ als qualitativ, medial gut aufbereitete Monatszeitschrift gerne gelesen. Danke den Förderinnen und Förderern für ihre stille Arbeit, die das Liebeswerk in der öffentlichen Meinung präsent hält, dadurch bleibt die Vernetzung lebendig! Ich danken allen Gönnern und Wohltätern, allen, die mir freundschaftlich verbunden sind. Danke meinem Mitarbeiterteam! Einige teilen die Laune vom Direktor bereits über 20 Jahre lang. Solche Mitarbeiter sind das Investitionsrückgrat für den lebendigen Pulsschlag dieser Institution. Das Liebeswerk hat ein Energiereservoir von Menschen nötig, die auch in der Kritik die Liebe zur Institution durchscheinen lassen. Ich bitte: seien wir in das „Gelingen“ und nicht in das  „Scheitern“ verliebt! Für das Scheitern wird nach bewährter Methode ein Sündenbock gesucht; das ist relativ einfach und verrät ein unwürdiges Spiel. Für das Gelingen braucht es ein Team, das in der Umsetzung „ansteckende Lebensfreude und Genugtuung“ vermittelt. Hoffentlich haben wir als Liebeswerkteam viele mit dieser Freude infiziert! Etwas konnte ich auch dazu beitragen! Liebeswerk: heute ist es dein Tag!“

 

Jubiläumsrede von Direktor Pater Dr. Paul Hofer, bearbeitet von dg

Bildtexte:

Treffe sicher Euer Verständnis, wenn ich jetzt nicht eine Begrüßungslitanei vornehme, füge aber noch hinzu: Lieber Herr Landeshauptmann … (Pater Paul kann’s nicht lassen: es folgt tatsächlich eine Begrüßungslitanei mit allen Politikern – gd) … Sehr geehrter Provinzial P. Anton  und Radoslaw von Österreich, grüße die Mitbrüder von Süd- und Nordtirol!

Die Namen wurden ausgewechselt: das St. Fidelishaus in Dorf Tirol bekam den Namen „Johanneum“;  das „Johanneum“ in der Goethestraße übernahm den Namen „St. Fidelishaus“.

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